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Medizinischer Dienst Bayern: Viele Pflegegrad-Erstanträge ohne Empfehlung

Mehr als jeder vierte Erstantrag auf einen Pflegegrad erfüllt in Bayern derzeit nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit. Das teilt der Medizinische Dienst Bayern unter Verweis auf aktuelle Begutachtungszahlen mit. Vorstandsvorsitzende Claudia Wöhler ruft Versicherte auf, sich vor der Antragstellung beraten zu lassen.

Der Medizinische Dienst rät zur Beratung vor der Antragstellung. Finanzberaterin zeigt Senioren Paar ein Formular oder Angebot für eine Pflege Versicherung

Nach Angaben des Medizinischen Dienstes Bayern führt aktuell in über 26 Prozent der Erstanträge die Begutachtung nicht zur Empfehlung eines Pflegegrads. Wer Leistungen der sozialen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen will, muss zunächst einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, die dann den Medizinischen Dienst mit der Begutachtung beauftragt. „Hinter jedem Antrag stehen häufig ganz konkrete Sorgen und ein tatsächlicher Unterstützungsbedarf“, erklärt Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern. „Aber nicht jede Form von Hilfebedarf erfüllt automatisch die Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit nach dem Gesetz.“

Selbstständigkeit entscheidet über Anerkennung

Maßgeblich sei laut Medizinischem Dienst insbesondere, wie stark die Selbstständigkeit der Betroffenen dauerhaft beeinträchtigt ist und ob die Unterstützung einer anderen Person notwendig wird. Allein Hilfe beim Einkaufen oder im Haushalt reiche für die Anerkennung eines Pflegegrads in der Regel nicht aus.

Enttäuschung nach abgelehnter Begutachtung

Wöhler verweist auf die Erwartungen der Antragstellenden. „Wenn Menschen einen Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse beantragen, verbinden sie damit verständlicherweise die Hoffnung auf Unterstützung und Entlastung. Umso enttäuschender ist es, wenn sich bei der Begutachtung durch unsere fachlich geschulten Gutachterinnen und Gutachter herausstellt, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt sind.“ Ihr Appell laute daher, sich vor der Antragstellung beraten zu lassen.

Kampagne und kostenlose Pflegeberatung Bayern

Mit der 2024 gestarteten Aufklärungskampagne „Pflegebedürftig!?“ will der Medizinische Dienst Bayern nach eigenen Angaben das Bewusstsein für Pflegebedürftigkeit schärfen und Versicherte bei den nächsten Schritten unterstützen. Getragen wird die Initiative unter anderem von den bayerischen Pflegekassen und vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Die kostenlose Pflegeberatung Bayern ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr unter 0800 / 772 11 11 erreichbar. Ergänzend beantwortet der KI-gestützte Chatbot Pia auf der Homepage des Medizinischen Dienstes rund um die Uhr Fragen zur Pflegebegutachtung.

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