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Digitaler Zwilling testet Pflegeheim-Innovationen vor der Einführung
Forschende der Universitätsmedizin Oldenburg bauen ein virtuelles Abbild eines Pflegeheims, um technische Neuerungen zunächst am Computer zu erproben. So soll sich vorab einschätzen lassen, ob eine Innovation Personal entlastet und die Versorgung verbessert. Die Europäische Union und das Land Niedersachsen fördern das Vorhaben mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung in Höhe von 1,6 Millionen Euro.
Für das Projekt „Industrie 4.0 meets Pflegeheim“ (I4mP) entsteht ein digitaler Zwilling des Pflegeheims Wichernstift in Ganderkesee (Niedersachsen). In dieser virtuellen Umgebung will das Team die Auswirkungen von Sensorik, Echtzeitdaten, Vernetzung und Automatisierung auf die gewohnten Pflegeabläufe modellieren, bevor die Technik tatsächlich zum Einsatz kommt. Ein weiteres Ziel sei es, durch technologische Innovationen regionale Unternehmen aus der Pflegebranche zu stärken. Geleitet wird das interdisziplinäre Team von Prof. Andreas Hein, Robotik-Experte am Department für Versorgungsforschung.
Simulation vor dem realen Einsatz
Ziel der Modellierung ist es laut Universität, im Vorfeld einzuschätzen, ob eine Neuerung geeignet ist, das Personal zu entlasten und die Versorgungsqualität zu verbessern. Die Forschenden verweisen dabei auf Vorarbeiten wie das Pflegeinnovationszentrum (PIZ) und das „Zukunftslabor Gesundheit“, durch die sie bereits Einblick in die Prozesse eines Pflegeheims hätten.
Robotik, Sensoren und Abwasseranalyse
Erprobt werden nach Projektangaben robotische Assistenzsysteme beim Umlagern von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie vernetzte Trainingsgeräte, mit denen die Menschen selbstständig ihre Mobilität trainieren sollen. Sensoren am Geschirr oder in der Umgebung dokumentieren Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, weitere Sensoren messen die Schlafqualität. Zudem prüft das Team, ob Abwasseruntersuchungen auf Viren und Bakterien Infektionen frühzeitig erkennen und Ausbrüche verhindern können.
Wachsender Bedarf, weniger Personal
Statt um optimierte Massenproduktion geht es den Forschenden laut Pressemitteilung der Hochschule um bessere und individuellere Versorgung in den Pflegeheimen – analog zur Einzelstückfertigung bei Industrie 4.0. Hein begründet das Vorhaben mit der Versorgungslage: „Die Zahl der Pflegebedürftigen liegt schon heute bei 5,7 Millionen, von denen knapp 800.000 in Heimen leben, Tendenz steigend. Dass zeitgleich die Zahl der verfügbaren Pflegekräfte sinkt, reißt eine Lücke zwischen Versorgungsbedarf und realisierbarer Pflegequalität.“
Zum Team gehören nach Angaben der Universität die Pflegewissenschaftlerin Prof. Rebecca Palm, die Ernährungswissenschaftlerin PD Dr. Rebecca Diekmann, der Medizinethiker Prof. Mark Schweda, der Allgemeinmediziner Prof. Michael Freitag sowie der Virologe Prof. Axel Hamprecht.
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