News
Pflegereform: MD Bayern sieht Präventionsansatz als Meilenstein
Während nahezu alle Pflegeverbände den Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz scharf kritisieren, kommt aus München Zustimmung: Der Medizinische Dienst Bayern lobt vor allem die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation. Vorstandsvorsitzende Claudia Wöhler verweist auf bereits laufende Projekte im Freistaat und fordert, individuelle Unterstützungsbedarfe stärker in die Versorgung einfließen zu lassen.
Der Medizinische Dienst (MD) Bayern begrüßt nach eigener Mitteilung den Präventionsfokus des Referentenentwurfs des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG). Pflege dürfe „nicht erst dann zum Thema werden, wenn Menschen bereits pflegebedürftig sind“, heißt es in der Stellungnahme. Vor dem Hintergrund eines spürbar gestiegenen Unterstützungsbedarfs sei eine Reform der Pflegeversicherung dringend notwendig, um die Versorgung langfristig bedarfsgerecht sicherzustellen.
Pflegebegutachtung soll weiterentwickelt werden
Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des MD Bayern, bezeichnet den Entwurf laut Mitteilung als Impulsgeber: Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation sei „ein echter Meilenstein in der pflegerischen Versorgung“. Besonders die geplante Weiterentwicklung der Pflegebegutachtung wird positiv hervorgehoben. Bereits heute enthielten die Gutachten der Medizinischen Dienste Hinweise zu Heil- und Hilfsmitteln, Reha-Maßnahmen sowie wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Diese individuellen Bedarfe müssten nach Auffassung des MD künftig stärker in die Versorgung einfließen. Die Medizinischen Dienste sehen sich dabei in der Rolle, kompetent und bedarfsorientiert zu beraten, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu verlangsamen.
Präventive Projekte im Freistaat
Der MD Bayern verweist auf eigene Vorhaben, die den Präventionsansatz bereits praktisch umsetzen. Bei der „Präventiven Pflegeberatung“ bieten Gutachter:innen Versicherten mit hohem Präventionspotenzial im Nachgang der Begutachtung aktiv eine individuelle Beratung an. Gerade in der Erstbegutachtung liege erhebliches Potenzial, um einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken und dem Wunsch nach individueller Beratung gerecht zu werden.
Ein weiteres Vorhaben ist die „Initiative Pflegebedürftig!?“, die eine frühzeitige Pflegeberatung bereits vor der Antragstellung anbietet. Ziel sei es, Versicherte für Präventionsmaßnahmen zu sensibilisieren und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Frühzeitige Beratung und Begleitung könnten dazu beitragen, dass Menschen länger selbstbestimmt zu Hause wohnen, Angehörige entlastet werden und schwierige Pflegesituationen erst gar nicht entstehen.
Plädoyer für gleichberechtigten Stellenwert
Wöhler plädiert dafür, Prävention denselben Stellenwert wie der Versorgung einzuräumen. Eine solche ganzheitliche Planung erfordere „Mut und Gestaltungswillen“. Der im Referentenentwurf verankerte Präventionsansatz sei dafür wegweisend – mit Vorteilen sowohl für die langfristige Tragfähigkeit des Pflegesystems als auch für die Versicherten selbst, die so „gesünder alt werden“ könnten.
Die Positionierung des MD Bayern bildet damit einen deutlichen Kontrast zu den jüngsten Warnungen zahlreicher Verbände, die im Rahmen der Verbändeanhörung am 10. Juni vor allem die geplante Aussetzung der Tarifpflicht und die zu erwartenden Finanzierungslücken kritisiert hatten.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren