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Baden-Württemberg fördert digitale Arztbesuche in Pflegeheimen mit 1,6 Millionen Euro

Das Land will mit Televisiten die medizinische Versorgung pflegebedürftiger Menschen verbessern und langfristig in die Regelversorgung überführen. Sechs Projekte in verschiedenen Regionen erhalten Fördermittel, eine wissenschaftliche Evaluation soll Erkenntnisse für die Zukunft liefern.

Ärztin schaut auf den Bildschirm im Gespräch mit einer Seniorin
Televisiten ermöglichten älteren Menschen mit Pflegebedarf eine medizinische Betreuung sicher aus der gewohnten Umgebung heraus. Foto: M.Dörr & M.Frommherz / AdobeStock

Baden-Württemberg investiert rund 1,6 Millionen Euro in die Weiterentwicklung von Televisiten in Pflegeeinrichtungen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, fließen die Mittel in sechs Projekte sowie eine begleitende wissenschaftliche Gesamtevaluation. Televisiten sind virtuelle ärztliche Konsultationen, bei denen Ärztinnen und Ärzte Pflegebedürftige per Videoübertragung direkt in der Einrichtung untersuchen und beraten können. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen dafür keine Arztpraxis aufsuchen.

Gesundheitsminister Manne Lucha erklärte laut Ministeriumsmitteilung, Televisiten ermöglichten älteren Menschen mit Pflegebedarf eine medizinische Betreuung „auf Augenhöhe“ und sicher aus der gewohnten Umgebung heraus. Dies sei ein Gewinn für die Betroffenen und die Pflege.

Sechs Projekte von Reutlingen bis Konstanz

Die Fördermittel verteilen sich auf Projekte in verschiedenen Regionen des Landes mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die höchste Einzelförderung erhält laut Ministerium das Projekt „TeleViK“ der Kleeblatt Pflegeheime im Landkreis Ludwigsburg mit rund 385.900 Euro. Das MVZ II der Kreiskliniken Reutlingen bekommt für das Projekt „Heim Doc“ zur telemedizinischen hausärztlichen Versorgung von Pflegeheimen etwa 246.900 Euro.

Die Kirchliche Sozialstation Sinsheim erhält rund 171.800 Euro für die Fortsetzung eines Projekts, das Televisiten sowohl in der Häuslichkeit als auch in der Tagespflege erprobt. Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz wird mit etwa 168.600 Euro für Televisiten in der palliativen und poststationären Kurzzeitpflege gefördert. Das Evangelische Altenzentrum des Diakonievereins Bruchsal bekommt knapp 137.000 Euro für ein Projekt, das sich speziell auf Menschen mit Demenz in der gerontopsychiatrischen und allgemeinen stationären Langzeitpflege konzentriert. Das Landratsamt Bodenseekreis erhält rund 117.700 Euro für das Projekt „Digitale Gesundheitsbrücke“, das Telekonsultationen zur Stärkung der Langzeitpflege und Hausarztversorgung einsetzen soll.

Antwort auf strukturelle Probleme in der Langzeitpflege

Mit dem Förderprogramm reagiert das Land auf mehrere Herausforderungen, die die Langzeitpflege prägen. Laut Gesundheitsministerium adressieren Televisiten insbesondere die eingeschränkte Mobilität vieler Pflegebedürftiger, den Fachkräftemangel, den Zeitdruck im Pflegealltag sowie Abstimmungsprobleme zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen. Hinzu komme die Notwendigkeit, knappe Ressourcen effizienter zu nutzen.

Die bisherigen Erfahrungen aus bereits geförderten Projekten seien positiv, so das Ministerium. Minister Lucha betonte, dass bei verlässlicher Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteschaft die Versorgungsqualität steige. Konkret würden Televisiten Wege einsparen, Krankenhaustransporte reduzieren sowie Notaufnahmen und Arztpraxen entlasten. Für die Pflegebedürftigen selbst sei der Verbleib in der vertrauten Umgebung ein wesentlicher Vorteil. Zudem ließen sich Wartezeiten verkürzen und Transportwege vermeiden. Auch Pflegeeinrichtungen und die Ärzteschaft profitierten von klareren Absprachen und einer verbesserten Zusammenarbeit.

Förderperiode 2026/2027 setzt auf Ausbau und Verstetigung

Die neue Förderperiode 2026/2027 baut auf bestehenden Strukturen auf. Laut Ministerium werden drei Projekte aus der Laufzeit 2024/2025 fortgeführt, während drei neue Vorhaben hinzukommen. Der Fokus liegt dabei auf dem Ausbau und der dauerhaften Etablierung der Televisiten.

Parallel zur praktischen Umsetzung sollen technische Schnittstellen weiter erprobt werden. Dabei geht es unter anderem um die automatisierte Übernahme von Daten in bestehende Versorgungsprozesse. Das übergeordnete Ziel ist die Überführung der Televisiten in die Regelversorgung. In diesem Zusammenhang prüft das Land auch mögliche Anpassungen bei den Abrechnungsziffern, um eine nachhaltige Finanzierung zu ermöglichen.

Minister Lucha ordnete den aktuellen Stand ein: „Die Televisite ist kein Zukunftsprojekt mehr – sie ist Gegenwart.“ Das Land wolle diesen Standard weiterentwickeln und dauerhaft in der Regelversorgung verankern.

Wissenschaftliche Evaluation soll Übertragbarkeit prüfen

Begleitet werden die geförderten Projekte von einer umfassenden wissenschaftlichen Evaluation. Diese soll laut Ministerium Erkenntnisse zu mehreren zentralen Fragen liefern: Wie lassen sich Televisiten implementieren? Wie hoch ist die Akzeptanz bei Pflegebedürftigen, Pflegekräften und Ärzteschaft? Welche Wirksamkeit und Qualität erreichen die virtuellen Konsultationen? Die Evaluation soll zudem die Kosten-Nutzen-Relation untersuchen und Aussagen zur Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen und Regionen ermöglichen.