Politik

Bundestag startet Corona-Aufarbeitung ohne Pflegefachkräfte

Zweieinhalb Jahre nach dem Ende der bundesweiten Corona-Beschränkungen hat der Bundestag eine umfassende Aufarbeitung der Pandemie eingeleitet. Die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ kam in Berlin zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) übte scharfe Kritik an der Zusammensetzung der Kommission.

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Das Eindämmen der Corona- Pandemie mit Schließungen und Masken war ein harter Einschnitt - mit Nachwirkungen bis heute. Foto: AdobeStock/Ermolaev Alexandr

Die 28 Kommissionsmitglieder – 14 Abgeordnete und 14 Sachverständige – sollen bis zum 30. Juni 2027 einen umfassenden Abschlussbericht mit Erkenntnissen und Handlungsempfehlungen vorlegen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) erklärte vor der Auftaktsitzung, die Aufarbeitung solle gründlich, transparent und selbstkritisch sein und „auch eine Chance“ bieten, „wieder zu einer gesellschaftlichen Versöhnung zu kommen“.

Pflegeverband bemängelt fehlende Repräsentation

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) übte scharfe Kritik an der Zusammensetzung der Kommission. „Da sich weder unter den 14 Bundestagsabgeordneten noch unter den 14 Sachverständigen in dieser Kommission Pflegefachpersonen befinden, appellieren wir eindrücklich daran, unsere Expertise in geeigneter Form einzubeziehen“, erklärte DBfK-Präsidentin Vera Lux.

Laut dem Verband verfügen Pflegefachpersonen über „unmittelbare Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Auswirkungen dieser Pandemie“ und hätten „konkrete Ideen für ein besseres Handling in der Zukunft“. Die Kommissionsvorsitzende Franziska Hoppermann (CDU) hatte zuvor betont: „Wir wollen verstehen, nicht verurteilen.“

Die Enquete-Kommission soll verschiedene Aspekte der Pandemie-Bewältigung untersuchen, darunter Früherkennung und Pandemiepläne, das Krisenmanagement der Bund-Länder-Runden, den rechtlichen Rahmen sowie die Maßnahmen gegen die Virus-Ausbreitung. Auch die Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen, Impfkampagnen und die Beschaffung von Schutzausrüstung stehen auf der Agenda.

Pflegerische Expertise für künftige Krisen

Der DBfK verwies auf spezifische Kompetenzen von Pflegefachkräften, die für die Krisenvorsorge relevant seien. Dazu gehöre eine „bedarfsgerechte Ressourcensteuerung“, da Pflegefachpersonen die Bedürfnisse von pflegebedürftigen Menschen und vulnerablen Personengruppen kennten. Sie verfügten über umfangreiche Erfahrungen in der direkten Versorgung, der Überwachung von Patienten und der frühzeitigen Erkennung von Verschlechterungen.

Laut dem Verband eignen sich Pflegefachpersonen zudem als zentrale Koordinationsstelle zwischen Pflegebedürftigen und Angehörigen einerseits sowie weiteren Gesundheitsprofessionen wie Ärzten und Therapeuten andererseits. Hinzu komme die pflegerische Expertise in Gesundheitsförderung und Prävention sowie im Hygienemanagement oder bei der Durchführung von Impfkampagnen.

„Ohne die Einbindung von Pflegefachpersonen in die Planung, Durchführung und Evaluation von künftigen Maßnahmen vergibt diese Kommission die Chance, die Kenntnisse und Fähigkeiten unserer Profession für kommende Krisen und Pandemien zielgerichtet zu nutzen“, kritisierte Lux. Die Profession Pflege müsse als wesentlicher Leistungserbringer durch klare Rollen und Verantwortlichkeiten in Krisenplänen eingebunden werden.

Die Kommission plant laut Vorsitzender Hoppermann monatliche Sitzungen, sowohl öffentliche als auch nicht-öffentliche. Am 22. September soll die nächste Zusammenkunft stattfinden. Perspektiven und Erfahrungen von Bürgern sollen „insbesondere durch öffentliche Formate einbezogen werden“, wie es im Einsetzungsantrag heißt. Auch eine „altersgerechte Befragung“ von Kindern und Jugendlichen ist möglich.