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Betrug im Pflegebereich nimmt deutlich zu

Der Betrug im Gesundheitswesen nimmt weiter zu – und die Pflegebranche ist besonders stark betroffen. Das geht aus dem aktuellen Bericht des GKV-Spitzenverbandes hervor. Demnach wurden 2022 und 2023 Betrugsfälle im Wert von gut 200 Millionen Euro aufgedeckt, davon 62 Millionen in der Pflege.

Fast die Hälfte aller gemeldeten Fälle entfallen auf die Pflege, heißt es in dem Bericht. Foto: adobe/Andrey Popov

Das ist der bislang höchste Wert, seit der Erfassung von Betrugshandlungen im Jahr 2008, wie aus dem Bericht zur „Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen“ des
Spitzenverbands der Krankenkassen (GKV) hervorgeht. Der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, Martin Krasney, warnt vor weitreichenden Folgen: „Dreistellige Millionenbeträge, die durch Fehlverhalten verloren gehen, fehlen zugleich für die medizinische und pflegerische Versorgung der Menschen.“

Hohe Betrugssumme in der Pflegebranche

Fast die Hälfte aller gemeldeten Fälle entfallen auf die Pflege, heißt es in dem Bericht. Häufig handele es sich um manipulierte Abrechnungen von Pflegediensten, die mehr Leistungen abrechneten als tatsächlich erbracht wurden. Auch gefälschte Berufsurkunden und unterschriebene Leistungsnachweise von nicht existierenden oder unwissenden Patienten seien typische Betrugsfälle. Die Krankenkassen beziffern den Schaden in diesem Bereich auf über 62 Millionen Euro, von denen bislang nur 21 Millionen Euro gesichert werden konnten.

Der mit Abstand höchste Schaden entstand demnach mit fast 86 Millionen Euro im Bereich Arznei- und Verbandsmittel, etwa durch gefälschte Rezepte für teure Medikamente wie Abnehmspritzen und Schmerzmittel. Besonders häufig werden gefälschte Rezepte für das Diabetes-Medikament Ozempic sowie Schmerzmittel wie Tilidin und Fentanyl eingereicht und zu Lasten der Kassen abgerechnet. Der Schaden in diesem Bereich beläuft sich auf rund 86 Millionen Euro.

Scheinfirmen als Betrugsmuster

Ein weiteres Muster des Betrugs betrifft sogenannte Scheinfirmen. Nach Erkenntnissen des GKV-Spitzenverbandes gründen Kriminelle Unternehmen, die lediglich auf dem Papier existieren. Dabei werden ahnungslose oder suchtkranke Menschen als Geschäftsführer eingesetzt. Über diese Firmen werden fingierte Beschäftigte bei Krankenkassen angemeldet, um Sozialleistungen wie Krankengeld oder Arbeitslosengeld zu erschleichen. Diese bandenmäßig organisierten Betrugsstrukturen betreffen neben den Krankenkassen auch andere Sozialversicherungsträger und verursachen erhebliche finanzielle Schäden.

Angesichts der steigenden Betrugsfälle fordert der GKV-Spitzenverband gesetzliche Änderungen, um Abrechnungsdaten zentral zu erfassen und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auffällige Muster frühzeitig zu erkennen. Zudem müsse der Schutz von Whistleblowern verbessert werden, um Hinweisgeber aus der Pflegebranche besser vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu schützen.