News

Saarland: Bericht sieht ambulante und stationäre Versorgung gleichermaßen unter Druck

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen im Saarland wird stark zunehmen. Ein neuer Pflegeinfrastrukturbericht zeigt: Sowohl die häusliche als auch die stationäre Versorgung stehen vor wachsenden Herausforderungen. Besonders der Fachkräftemangel und steigende Eigenanteile rücken in den Fokus.

Saarlands Sozialminister Magnus Jung Foto: Jennifer Weyland

Nach Angaben des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit des Saarlandes wird die Zahl der über 75-Jährigen bis 2040 um rund 25 Prozent steigen – von 116.400 im Jahr 2021 auf etwa 159.300 Menschen. Damit wachse auch der Bedarf an Pflegeleistungen erheblich. Gesundheitsminister Magnus Jung betont: „Die Frage, wie wir Pflege künftig organisieren, finanzieren und für die Menschen verlässlich sichern, betrifft […] unsere gesamte Gesellschaft.“

Der erstmals vorgelegte Pflegeinfrastrukturbericht liefert eine umfassende Bestandsaufnahme und soll als Grundlage für künftige politische Entscheidungen dienen.

Ambulante Versorgung gewinnt an Bedeutung – Strukturen unter Druck

Der Bericht zeigt, dass die häusliche Pflege weiter an Bedeutung gewinnt. Viele pflegebedürftige Patient:innen wünschen sich, „möglichst lange in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld versorgt zu werden“. Im ambulanten Bereich bestehe zwar grundsätzlich ein flächendeckendes Versorgungsnetz.

Gleichzeitig steigt jedoch die Zahl der zu versorgenden Personen pro Pflegedienst kontinuierlich. Zusammen mit dem Fachkräftemangel erhöht dies den Druck auf ambulante Dienste und ihre Mitarbeitenden.

Stationäre Pflege: steigende Kosten und Reformbedarf

Auch die stationäre Versorgung steht vor großen Herausforderungen. Steigende Eigenanteile belasteten viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zunehmend. Jung fordert daher Reformen: „Pflegebedürftigkeit darf nicht zu einem unkalkulierbaren Armutsrisiko werden.“

Das Saarland setzt sich in diesem Zusammenhang für einen sogenannten „Pflegedeckel“ ein, der die Eigenanteile in der stationären Pflege wirksam begrenzen und mehr Planungssicherheit schaffen soll.

Fachkräftemangel bleibt zentrale Baustelle

Sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege bleibt die Personalsituation angespannt. Zwar habe sich die Zahl der Altenpflegekräfte zwischen 2011 und 2021 verdoppelt, ein „struktureller Personalaufbau“ sei jedoch bislang nicht gelungen.

Viele Einrichtungen berichten laut Bericht von ausreichend Ausbildungsplätzen, gleichzeitig aber von zu wenigen Bewerbungen. Die internationale Fachkräftegewinnung spiele zudem „noch nicht in allen Einrichtungen eine zentrale Rolle“.

Mit Initiativen wie der „Konzertierten Aktion Pflege Saar“ will das Land gegensteuern und bis 2030 insgesamt 4.000 zusätzliche Pflegekräfte gewinnen. Erste Entwicklungen, etwa steigende Ausbildungszahlen, werden als positive Signale gewertet.

Der Bericht macht deutlich, dass sowohl ambulante als auch stationäre Angebote weiterentwickelt werden müssen, um die Versorgung langfristig zu sichern.