TeleDoc-Mobile: Kompetenz und Diagnostik rund um die Uhr

Zukunftsweisende Wege für die medizinische Versorgung in der stationären Pflege.
Foto: St. Gereon-Seniorendienste gGmbH, Hueckelhoven
Im Projekt AIDA wird ein telemedizinisches System für die stationäre Pflege erprobt, um die ärztliche Versorgung der Bewohner – auch außerhalb der Praxiszeiten – besser sicherzustellen. Das TeleDoc-Mobile bietet weit mehr als eine Videosprechstunde. In Zusammenarbeit mit den Pflegekräften haben Hausärzte und ein telemedizinischer Notdienst in Echtzeit Zugriff auf wichtige Vitaldaten. Das ist in Corona-Zeiten aber auch danach ein großer Vorteil.

In der stationären Pflege werden zunehmend Menschen mit komplexen chronischen Erkrankungen versorgt. Ein Drittel der Bewohner haben zudem drei oder mehr Erkrankungen, jeder zweite Pflegegrad 4 oder 5 und 60 Prozent leiden unter Demenz. Der Umfang der medizinischen Behandlung und der ärztliche Konsultationsbedarf steigen, während die Ressourcen hierfür knapper werden. Infolgedessen kommt es immer häufiger zu Rettungseinsätzen. Fast jeder fünfte Bewohner wird jährlich mindestens einmal ins Krankenhaus aufgenommen. Dabei handelt es sich in 40 Prozent um „ambulant-sensitive“ Fälle, die prinzipiell auch vor Ort therapierbar wären.

Ziele und Vorgehensweise

Es sollen „Telekonsultationen“ ermöglicht werden, die drei Aspekte vereinigen: Videotelefonie mit einem Fach- oder Hausarzt, Durchführung von Vor-Ort-Messungen und die rechtssichere Delegation von Maßnahmen an eine Pflegefachkraft. So steht ärztliche Fachkompetenz jederzeit niederschwellig zur Verfügung. Neben virtuellen „Routine-Besuchen“, wird in einer zweiten Stufe ein telemedizinischer Notdienst eingerichtet. So sollen Kosten und negative Folgen für Patienten vermieden werden, die in Verbindung mit unnötigen Krankenhauseinweisungen stehen. Neben der gesundheitsökonomischen Betrachtung werden zur Evaluation der praktischen Umsetzbarkeit die Akzeptanz der Bewohner und Erfahrung der Pflegekräfte und Ärzte sowie Fragen der Organisationsentwicklung, Arbeitsgestaltung und Qualifizierung begleitend erforscht.  

Hier nun ein Fallbeispiel: Frau Alt leidet unter chronischer Herzinsuffizienz, Diabetes und Demenz. Ihre Hausärztin kann sie aufgrund der Wegezeit und der vollen Praxis bislang bei Zustandsverschlechterung oft nicht zeitnah untersuchen, sodass wiederholt Krankenhauseinweisungen notwendig waren. Das ist für sie und die Pflegekräfte sehr belastend. Die Pflegefachkraft Frau Jung rollt das TeleDoc-Mobile ins Zimmer. Sie macht sich Sorgen, Frau Alts chronische Atemnot hat leicht zugenommen. Sie bittet die Hausärztin um eine Untersuchung und weitere Entscheidungen.  

Diese kann und will Frau Jung nicht selbst treffen. Die Ärztin profitiert davon, dass Wegezeiten wegfallen und sie somit viele Fragen kurzfristig während der Praxiszeiten beantworten kann. Frau Alt lächelt, als sie auf dem Monitor die Ärztin sieht. Diese kann aus der Ferne die installierte TeleDoc-Kamera steuern und bei Bedarf auch heran zoomen. Frau Jung befestigt auf Wunsch der Ärztin einen Clip am Finger von Frau Alt. Puls und Sauerstoffsättigung werden so automatisch an die Ärztin übertragen und im System dokumentiert. Das gilt auch für die Erfassung von EKG, Blutdruck, Blutzucker und Temperatur. Zum Abhören der Lunge führt Frau Jung das elektronische Stethoskop über Frau Alts Rücken. Die Ärztin kann mit ihrem Stethoskop aus der Ferne hören, dass es keine Anzeichen für eine akute Atemwegsinfektion gibt. Sie ordnet an, dass Frau Alt ihre Bedarfsmedikation zur Entwässerung erhalten soll. Befunde und die angeordnete Medikation werden dokumentiert und als Konsultationsbericht zur weiteren Verwendung im Praxisverwaltungs- und Pflegedokumentationssystem bereitgestellt. Wenn sich der Zustand im Verlauf verbessert, kann auf eine Krankenhauseinweisung verzichtet werden.


Von Dr. Heidrun Großmann, Beraterin bei der MA&T Sell & Partner GmbH – Mensch, Arbeit und Technik,
und Prof. Michael Czaplik, leitet die Sektion Medizintechnik bei der Uniklinik RWTH Aaachen.


>> ÜBER DAS PROJEKT <<

Das Projekt AIDA – Arbeitsentwicklung in der Altenpflege durch Einführung eines telemedizinischen Notdienst-Konzeptes wird vom Land Nordrhein-Westfalen unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE 0801891) gefördert (Kenn­zeichen: GE-2-2-009D). Es wird unter Leitung der Uniklinik RWTH Aachen mit der Docs in Clouds TeleCare GmbH und der MA&T Sell & Partner GmbH sowie der St. Gereon Seniorendienste GmbH, Hückelhoven, und der Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd umgesetzt.

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