Grünes Licht für digitale Pflegeanwendungen

Diese Information wird Ihnen in Zusammenarbeit mit der myneva Group GmbH zur Verfügung gestellt


Diesen Juni trat das Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) in Kraft. Es soll die digitale Gesundheitsversorgung in der Pflege systematisch ausbauen. Doch noch sind viele Fragen offen.


Von Steve Schrader

Das DVPMG sieht eine Weiterentwicklung digitaler Gesundheitsanwendungen, den Ausbau der Telemedizin, zusätzliche Einsatzmöglichkeiten in der Telematikinfrastruktur wie etwa elektronische Medikationspläne und die Förderung der digitalen Vernetzung vor.

Gesundheits-Apps können künftig auch in der Pflege zum Einsatz kommen. Digitale Pflegeanwendungen sollen helfen, mit speziellen Trainingsprogrammen die eigene Gesundheit zu stabilisieren oder den Austausch mit Angehörigen oder Pflegefachkräften zu erleichtern. Es wird eigens ein neues Verfahren geschaffen, um die Erstattungsfähigkeit digitaler Pflegeanwendungen zu prüfen. Auch die Pflegeberatung wird um digitale Elemente erweitert.

Ziel ist zudem eine stärkere Nutzung der Telemedizin – zum Beispiel durch Vermittlung telemedizinischer Leistungen bei der ärztlichen Terminvergabe. Auch der kassenärztliche Bereitschaftsdienst soll künftig telemedizinische Leistungen anbieten, ebenso Heilmittelerbringer und Hebammen.

Ergänzend zur elektronischen Gesundheitskarte haben die Krankenkassen den Versicherten ab dem 1. Januar 2023 auf Verlangen eine sichere digitale Identität für das Gesundheitswesen barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Ab dem 1. Januar 2024 dient die digitale Identität in gleicher Weise wie die elektronische Gesundheitskarte zur Authentisierung des Versicherten im Gesundheitswesen und als Versicherungsnachweis.

Zum weiteren Vorgehen sind aber noch viele Fragen offen. Was das Gesetz konkret für Pflegeeinrichtungen bedeutet und welche Schritte jetzt nötig sind, darüber sprach die Redaktion von ALTENHEIM und CAREkonkret mit Thomas Knieling, Geschäftsführer des privaten Pflegeverbandes VDAB. Der Verband ist Mitglied der im Februar 2021 gegründeten Allianz für Digitale Pflegeanwendungen (SVDiPA). 

Außerdem führte die Redaktion ein Interview mit Bastian Haase, Prokurist bei der myneva Deutschland GmbH, zur zukünftigen Bedeutung digitaler Pflegeanwendungen (DiPAs) und zur Anbindung der Pflege an die Telematik-Infrastruktur.

interview Mit Thomas Knieling, Geschäftsführer VDAB 

Thomas Knieling

Geschäftsführer des privaten Pflegeverbandes VDAB

Herr Knieling, noch sind viele Details zur konkreten Ausgestaltung des Gesetzes zu klären. Wie lauten jetzt die weiteren Schritte und in welchem Zeitraum soll das passieren?

Mit dem DVPMG sind Fristen gesetzt worden, welche es nun für die Selbstverwaltung Pflege umzusetzen gilt. So sieht der neue § 125 SGB V Abs. 2a vor, dass bis zum 31. Dezember 2021 eine neue Vereinbarung darüber gefunden wird, wie die Versorgung mit telemedizinisch erbrachten Heilmitteln geregelt wird.

Für die Krankenkassen und alle Versicherten kommt mit der Neuregelung zu § 292 SGB V eine weitere Neuerung hinzu. Spätestens ab 1. Januar 2023 sollen die Krankenkassen den Versicherten ergänzend zur elektronischen Gesundheitskarte auf Verlangen eine sichere digitale Identität für das Gesundheitswesen zur Verfügung stellen. Diese soll ab 1. Januar 2024 in gleicher Weise wie die elektronische Gesundheitskarte zur Authentifizierung des Versicherten im Gesundheitswesen und als Versicherungsnachweis dienen. Dies setzt eigentlich auch voraus, dass alle Akteure im Gesundheitswesen in der Lage sein müssen, diesen Identitätsnachweis auszulesen. Hier liegen noch viele technische Herausforderungen.

Mit den Änderungen und Ergänzungen zu § 312 SGB V wird die Gesellschaft für Telematik beauftragt, das Verordnungswesen nicht nur den Ärzten, sondern auch allen anderen Leistungserbringern nach diesem Gesetzbuch zugänglich zu machen. Dies bedeutet unter anderem eine Öffnung zum Beispiel für den Bereich der häuslichen Krankenpflege und der außerklinischen Intensivpflege bis zum 30. Juni 2022. Damit verbunden ist aber auch die Verpflichtung der zuvor genannten Leistungserbringer, sich bis zum 1. Januar 2024 der Telematik-Infrastruktur anzuschließen soweit auch hier alle technischen Voraussetzungen gegeben sind.

Unklarheit gibt es auch bei den so genannten digitalen Pflegeanwendungen (DIPA). Wann wird klar sein, was genau erstattungsfähig ist und in welchem Setting?

Änderungen insbesondere im Bereich der digitalen Pflegeanwendungen gibt es im Bereich des SGB XI. So wird mit § 39b SGB XI ein neuer Leistungsanspruch für Pflegebedürftige zur ergänzenden Unterstützung bei der Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen geschaffen. Dieser Unterstützungsanspruch rekurriert dabei auf den ebenfalls neu geschaffenen § 40a SGB XI. Dieser führt aus, dass Pflegebedürftige Anspruch auf eine Versorgung mit Anwendungen haben, die wesentlich auf digitalen Technologien beruhen. Diese können zur Interaktion von Pflegebedürftigen, Angehörigen und zugelassenen ambulanten Pflegeeinrichtungen genutzt werden, um Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten des Pflegebedürftigen zu mindern und einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken. Der Anspruch umfasst nur digitale Pflegeanwendungen, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in das Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen nach § 78a Absatz 3 SGB XI aufgenommen worden sind. Der Leistungsanspruch des Pflegebedürftigen umfasst dabei bis zu 50 Euro im Monat.

Das noch zu schaffende Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen wird demnach den zukünftigen Rahmen für die abrechenbaren digitalen Pflegeanwendungen liefern. Diese dazu notwendigen Rahmenbedingen (z. B. Vergütungsbetrag) werden dabei in Verhandlungen zwischen Kostenträgern und den Herstellern geeint. Um jedoch in das Verzeichnis aufgenommen zu werden, müssen die Hersteller den Nachweis führen, dass ihre Produkte den notwendigen Anforderungen entsprechen. Diese umfassen neben datenschutzrechtlichen Anforderungen auch Kriterien wie Barrierefreiheit, altersgerechte Nutzbarkeit, Robustheit, Qualität und Verbraucherschutz. Zudem müssen sie natürlich einen Mehrwert für die Pflegebedürftigen, Angehörige oder ambulanten Pflegedienste bieten. Eine rasche Implementierung von digitalen Pflegeanwendungen kann zu einem enormen Mehrwert für alle an der Pflege Beteiligten und den Betroffenen selbst führen.

Und das gilt nur für den ambulanten Bereich?

Bedauerlicherweise hat der Gesetzgeber das DVPMG nur auf den ambulanten Versorgungsbereich ausgerichtet. Wir setzen uns im Rahmen der Allianz für Digitale Pflegeanwendungen (SVDIPA) dafür ein, dass auch voll- und teilstationäre Einrichtungen zeitnah von digitalen Pflegeanwendungen profitieren können.

Weitere Informationen: vdab.de und finsoz.de

interview Mit Bastian haase, Prokurist myneva Deutschland 

Bastian Haase

Prokurist bei der myneva Deutschland GmbH

Herr Haase, das Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungs Gesetz (DVPMG) ist seit Mitte des Jahres in Kraft und soll der Digitalisierung in der Pflege einen kräftigen Schub verleihen. Wo sehen Sie die größten Chancen für die Pflege – und wo besteht aus Ihrer Sicht noch Handlungsbedarf?

Wir sehen im DVPMG große Potenziale für das Gesundheits- und Sozialwesen. Gerade mit Blick auf die Telematikinfrastruktur werden bürokratische Hürden deutlich zwischen den Akteuren der Gesundheitssektoren und den Leistungserbringern reduziert. Die Übernahme von beispielsweise Daten aus der elektronischen Patientenakte direkt in das Pflegedokumentationssystem. Oder auch die Ausstellung von elektronischen Verordnungen tragen somit wesentlich zur Entbürokratisierung von Abläufen bei.

Voraussetzungen hierfür sind allerdings von den Einrichtungen selber zu schaffen. Hier muss bspw. die Einrichtung eine gute und schnelle Internetverbindung aufweisen und sich rechtzeitig mit dem Thema - sofern noch nicht geschehen - der digitalen Pflegedokumentation auseinandersetzten. Denn die Grundsätze für einen reibungslosen Start der TI für Pflegeanbieter müssen zeitnah initiiert werden. Wer heute noch auf Papier dokumentiert, wird von den Vorteilen des DVPMG und speziell der TI nicht profitieren.

Wie bereiten Sie sich auf die zahlreichen Neuerungen und Veränderungen in diesem Gesetz vor? Was bedeutet das für Ihre Produkte und Dienstleistungen?

Prämisse für den Nutzen aller Digitalisierungsbestrebungen ist es, dass die verschiedenen Systeme sich verstehen und austauschen können. myneva ist von Haus aus mit seinen Produkten schon sehr weit was Schnittstellen & Co. betrifft. Darüber hinaus sind wir mit Kunden im Modellprojekt der Telematikinfrastruktur involviert. Das hat unsere Teams zusätzlich sensibilisiert und schon sehr früh zu Kooperationen geführt. Jetzt gilt unser Hauptaugenmerk unserer Dienstleistung, d.h. Interessenten und Kunden zu beraten, zu unterstützen und praktikable Lösungen aufzuzeigen. Für die Einrichtungen der Altenpflege wurde die neue Gesetzgebung geschaffen und wir wollen aktiv dazu beitragen, dass diese auch die größten Nutznießer sind.

Eine wesentliche Neuerung betrifft die Einführung sogenannter „Digitaler Pflegeanwendungen“ (DiPAs), die helfen sollen, den Pflegealltag besser zu bewältigen. Die Pflegekasse übernimmt dabei bis zu 50 Euro im Monat. Sehen Sie das als Chance, auch eigene Produkte zu entwickeln – oder setzen Sie hier auf die Vernetzung und Kooperationen mit anderen Anbietern?

In erster Linie bieten die DiPAs und auch die DiGAs (digitale Gesundheitsanwendung) eine Unterstützung für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. Sie sollen dabei unterstützen, die Pflege und den Gesundheitsverlauf zu verbessern. Hier sind wir lösungsorientiert aufgestellt. Auf der einen Seite sind wir als zukunftsorientierter Softwareanbieter immer bestrebt, neue Lösungen zu finden, die unseren Kunden und somit auch den Pflegebedürftigen und deren Angehörige einen Mehrwert bieten und gut in den Alltag integrierbar sind. Hier engagieren wir uns u. a. mit internationalen Partnern an Innovationsprojekten, um aus den gewonnenen Ergebnissen möglichst rasch neue Standardlösungen zu entwickeln.

Auf der anderen Seite vernetzen wir unsere Software auch mit jungen innovativen Unternehmen, um somit neue Technologien/Lösungen kurzfristig anbieten zu können. Als ein Beispiel ist hier die Mobilitätsanalyse der Lindera GmbH zu nennen. Durch Integration der Lindera Mobilitätsanalyse App mit unserem System myneva.heimbas ist es gelungen, das individuelle Sturzrisiko einfach und präzise, mithilfe Künstlicher Intelligenz, gemäß Expertenstandard zu erheben und direkt in unser Pflegedokumentationssystem zu übertragen. Somit bedarf es keiner Doppeldokumentation für die Pflegekräfte.

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