Komplexträger im Trend: Eine Software für alle Sektoren

Die Grenzen zwischen Altenpflege, Eingliederungshilfe und anderen Bereichen der Sozialwirtschaft verschwinden zunehmend. Immer mehr Leistungserbringer dringen in neue Segmente vor. „Was Komplexträger im konvergierenden Markt brauchen, ist eine Software, die alle Bereiche ohne Brüche integriert“, betont Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer des Software-Anbieters myneva, im Interview.

„Altenhilfe und Eingliederungshilfe wachsen zusammen“

Dr. Hartmut Clausen, Geschäftsführer der myneva group. Foto: myneva

Herr Dr. Clausen: Welche Bereiche der Sozialwirtschaft sehen Sie auf dem Weg zu komplexeren Strukturen?

Aktuell beobachten wir, wie Altenhilfe und Eingliederungshilfe, früher Behindertenhilfe, immer stärker ineinandergreifen. Menschen mit einer Behinderung werden aufgrund des medizinischen Fortschritts älter und durch ambulante Dienste der Altenpflege betreut. Hier erleben wir, dass immer mehr Organisationen der Eingliederungshilfe als neues Geschäftsfeld ambulante Pflegedienste gründen. Wenn diese nicht ganz ausgelastet sind, übernehmen sie auch Aufgaben der ambulanten Altenpflege. Umgekehrt haben wir diese Entwicklung noch nicht beobachtet, obwohl sich auch für die Altenpflege hier neue Marktchancen ergeben, denn der Markt der Eingliederungshilfe ist nicht klein und gut finanziert.

Weitere Beispiele für das Zusammenwachsen der Märkte sind das Verschmelzen von ambulanter, stationärer und teilstationärer Pflege oder die Kombination aus Altenpflege und Sozialhilfe. Auch Menschen aus der Jugendhilfe mit Suchtproblemen und psychischen Erkrankungen werden häufig übergreifend von Einrichtungen der Jugendhilfe und der Pflege, auch stationär, betreut. Ebenso wird sich das betreute Wohnen, zurzeit noch sehr auf Senioren fixiert, gegenüber den Menschen aus der Eingliederungshilfe öffnen. Hinzu kommen Quartiersmodelle mit einer Organisation, die alle Bereiche der sozialen Hilfen abdeckt, im Zentrum des Quartiers.

Wenn Pflege-Unternehmen oder soziale Einrichtungen neue Sektoren für sich erschließen: worauf müssen sie bei ihrer Software achten?

In den Bereichen der Sozialwirtschaft - ob Alten, Jugend- oder Eingliederungshilfe - haben wir im Wesentlichen fünf ähnliche Prozesse: Assessment, Planung des Pflege- oder Hilfebedarfs, Planung der Tagesstruktur, Dokumentation und Abrechnung. Diese fünf Pfeiler muss jede Software abbilden. Auch das Leistungsdreieck zwischen Klienten, Leistungserbringern und Kostenträgern ist in den unterschiedlichen Sektoren ähnlich.

Diese vergleichbaren Systematiken - in Bezug auf die Geschäftsabläufe - zeigen, dass es für Unternehmen relativ einfach ist, einen neuen Geschäftsbereich strukturell auch mit Hilfe von Software abzubilden, selbstverständlich vorausgesetzt, man hat auch das nötige inhaltliche Fachwissen.

Während es in der Altenhilfe in der Regel erst um ambulante und später um stationäre Pflege geht, ist es in der Eingliederungshilfe oft umgekehrt. Da ist es notwendig, dass auch die Software diese Übergänge zwischen den Sektoren flexibel und ohne Brüche abbildet - und alle Daten nur einmal eingegeben werden. Mehrfache Dateneingaben sind nicht nur aufwändig, sondern können auch zu Fehlern führen. Damit verbessert eine leistungsfähige Software nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität der Pflege und Betreuung.

Und am Ende geht alles auf eine Rechnung?

Ja, am Monatsende stehen zum Beispiel die Miete für die Wohnung im Seniorenwohnen, die Wohnnebenkosten, die Menüs, der Pflegedienst und die Teilnahme an der Tagespflege auf einer Rechnung - eine enorme Erleichterung und Effizienzsteigerung gegenüber einzelnen Systemen.

Ein weiterer Effizienzgewinn ist die Kommunikation mit allen Beteiligten - etwa per Angehörigen-App, Arzt-App oder Mitarbeiter-App. Hier können je nach individueller Berechtigung etwa Medikationen, Tagesstrukturen, Speisepläne oder Abrechnungen eingesehen oder teilweise gepflegt werden.

Was bedeuten die konvergierenden Märkte für Unternehmen, die international arbeiten, im Hinblick auf die Software?

Der Markt des Seniorenwohnens ist hochdynamisch und stark von Investoren getrieben. Das Zusammenwachsen der Märkte macht vor Ländergrenzen nicht halt. Dennoch sind die oben genannten fünf Prozessschritte, die die Software abbilden muss, in vielen Ländern grundsätzlich vergleichbar. Die Firma myneva ist in Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Benelux-Ländern vertreten, wir kennen die Software-Systeme gut. Und man kann sagen, dass in keinem Land so viel dokumentiert wird wie in Deutschland. Bei der Vereinfachung von Abläufen oder der IT-gestützten Zusammenarbeit von Teams kann Deutschland von seinen Nachbarn noch lernen – und myneva dieses Wissen vermitteln.

 

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17 Einrichtungen unter einem Dach

Der Bezirksverband Oldenburg (BVO) ist ein außergewöhnlich breit aufgestellter Komplexträger. Der Verband betreibt 17 hochqualifizierte Facheinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe sowie Pflegeheime für Senioren. Nachdem zuvor mehrere Software-Systeme parallel eingesetzt wurden für Pflege, Dienstplanung und Abrechung, fiel vor einigen Jahren die Entscheidung zugunsten von myneva.heimbas. Das Ziel: Eine Datenbasis für die spezifischen Anforderungen eines Komplexträgers zu erstellen. Jetzt ist es möglich, beispielsweise ambulante Pflege, Tagespflege und Eingliederungshilfe eines Klienten in einer Software abzubilden. „Die größten Vorteile sind, dass wir unsere Klienten nur einmal anlegen müssen und darüber hinaus alle Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen darauf zugreifen können“, sagt Karin Harms, stellvertretende Geschäftsführerin des BVO.

Karin Harms, stellvertretende Geschäftsführerin des BVO:
„Die Software erspart uns eine Menge doppelter Arbeit.“

Foto: BVO

Dies habe durchaus nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern noch eine Übergangsphase erfordert, in der der BVO und myneva.heimbas intensiv an den Lösungen gearbeitet haben und sich auch weiter im Austausch befinden. „Jetzt läuft die Software in den Bereichen Pflege und Eingliederungshilfe sehr gut und erspart uns auch eine Menge doppelter Arbeit“, betont Karin Harms. Nun folgt der nächste Schritt: BVO und myneva.heimbas arbeiten an der Software-Integration der Tagesförderstätten sowie der Kinder- und Jugendhilfe.

Weitere Informationen:

myneva

Softwarelösungen für alle Bereiche des Sozialwesens

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BVO

Beispiel eines Komplexträgers

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