Telematikinfrastruktur in der Pflege: Erkenntnisse des Pilotmarktes Österreich

Diese Information wird Ihnen in Zusammenarbeit mit der myneva Group GmbH zur Verfügung gestellt
Die Telematikinfrastruktur in Deutschland und ihre Anwendungen. 
Abbildung: gematik GmbH

Die Uhr tickt: Bis 2024 soll auch die Pflege an die Telematikinfrastruktur (TI) des Gesundheitswesens angeschlossen sein. Was kommt jetzt auf stationäre Einrichtungen und ambulante Dienste in Deutschland zu? Erkenntnisse bringt ein Blick nach Österreich, wo es seit 2013 Anbindungen an die TI gibt.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland nimmt Fahrt auf. Mit der Einführung der Telematikinfrastruktur und der Anbindung der Pflege beginnt ein neues Zeitalter in der Gesundheitskommunikation. Die Telematik - eine Zusammensetzung aus Telekommunikation und Informatik - vernetzt Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken, Leistungserbringer und Kostenträger. Seit Januar läuft eine Testphase für die elektronische Patientenakte (ePA), ab Juli ist sie Pflicht. Die Kommunikation im Gesundheitswesen (KIM) sorgt schon bald für den Austausch von Befunden, Abrechnungen oder Röntgenbildern. Ausgedruckte Arztbriefe gehören dann der Vergangenheit an. Und ab Mitte 2021 ersetzt das E-Rezept (elektronisches Rezept) das bisherige Verfahren mit dem gedruckten Formular. Weitere Anbindungen folgen, bis voraussichtlich 2024 auch die Pflege vollständig an die TI angebunden sein wird.

Alltag in Österreich: ELGA, die eletronische Patientenakte

Was in Deutschland jetzt Schritt für Schritt an den Start geht, hat in Österreich bereits begonnen. Dort ist die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen vollständig aufgebaut. Und nach und nach folgten - und folgen - die Anbindungen der verschiedenen Sektoren. Seit 2013 gibt es die elektronische Gesundheitsakte ELGA - das Pendent zur deutschen elektronischen Patientenakte ePA, die diesen Januar mit einer Testphase startete.

„Als erste Anbindung erfolgte in Österreich der e-Befund, dann kamen die e-Medikation und im Januar auch der e-Impfpass hinzu“, erläutert Herwig Loidl, Sprecher für E-Health der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer des Software-Anbieters myneva.carecenter. Die Meilensteine der Digitalisierung im Nachbarland. Die elektronische Gesundheitsakte ELGA ist ein Informationssystem, das allen Teilnehmer:innen sowie den berechtigten Gesundheitsdiensten, wie Ärzt:innen, Apotheken, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, den Zugang zu den Gesundheitsdaten ermöglicht. Dabei speichert die ELGA selbst grundsätzlich keine Daten, sondern vernetzt lediglich die bereitgestellten Dokumente. 97 Prozent der Österreicher:innen nutzen die ELGA, ein Wert, der vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Teilnehmer per Opt-out weitestgehend im System bleiben. Das bedeutet, sie müssen sich nicht anmelden, sondern aktiv abmelden - ein Vorgang, der für Deutschland allerdings schwer vorstellbar wäre.

In der ELGA haben die Versicherten die Kontrolle über ihre Daten. Sie dürfen bestimmen, wer, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt lesen darf und können diese Bestimmungen jederzeit ändern. Wer kein Internet hat, kann seine Akte bei der Patientenanwaltschaft mit Hilfe von Personal einsehen. Jeder Zugriff auf die ELGA wird protokolliert. Nur Ärzte oder Institutionen, wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, die in einem aktuellem Behandlungsverhältnis zum Patienten stehen, dürfen die Daten einsehen, und nur ein speziell als Vertrauensarzt gekennzeichneter Hausarzt hat ein Jahr lang Zugriff auf die Daten. „Damit ist die Transparenz der Zugriffe besser als auf Papier - ich weiß jederzeit, wer, was eingesehen und eingetragen hat“, erläutert Herwig Loidl.

E-Befund, e-Medikation, e-Impfpass

Die erste Anwendung mit der ELGA war 2015 der e-Befund, der Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus. „Dafür wurden die Unterlagen im ganzen Land radikal vereinheitlicht und verbindlich festgelegt, was dort reingehört“, sagt Loidl. Über einzelne Pilotregionen wurde das Projekt anschließend von West nach Ost in Österreich ausgerollt. Während vorher der Papier-Brief mitunter zwei bis drei Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt kam, liegt nun der Entlassungsbrief direkt vor, wenn der Patient entlassen wird.

2018 folgte der Start der e-Medikation, die innerhalb eines Jahres bis Ende 2019 vollständig verfügbar war. Die e-Medikation hat insbesondere in Pandemie-Zeiten schon enorme Dienste geleistet. Versicherte und Ärzte sehen, welche Medikamente verordnet wurden, was selbst gekauft wurde, etwa Aspirin, und können Wechselwirkungen deutlich besser einschätzen - eine Funktion, die schon Leben gerettet haben dürfte. Auch andere Personen können für den Patienten nun die Medikamente abholen.

Jüngste Anbindung ist der e-Impfpass, der aktuell bei andauernder Pandemie enorme Vorteile bietet. Hier sind alle Impfungen verfügbar - für den Versicherten und seine Ärzte, nicht für die Behörden. „Zentrale Auswertmöglichkeiten durch den Staat gibt es nicht“, versichert Herwig Loidl. Auch die Datensicherheit sei sehr hoch: Der Zugang über Ausweis und Handy-Signatur beim Versicherten, beziehungsweise die e-card der Gesundheitsdienstleister läuft seit sieben Jahren ohne Pannen, Datenlecks oder Datendiebstahl.

Was kommt in Deutschland auf die Pflege zu?

Zwar kann man die Systeme in Österreich und Deutschland nicht eins zu eins vergleichen, aber grundsätzlich sind die Interessen von Patienten und Ärzten gleich: Sie möchten die vollständige Transparenz für die bestmögliche Versorgung haben. Das geht jetzt auch in Deutschland: Seit Januar läuft die Testphase der ePA, ab Juli sind Praxen verpflichtet, die Daten auf Patientenwunsch in die elektronische Akte zu übertragen. Und ab Mitte 2021 können Ärzte ihren Patienten Rezepte digital bereitstellen, die ab 2022 verpflichtend sein werden.

Auf Senioren-Einrichtungen und Pflegedienste kommt jetzt einiges zu. Sinnvoll ist es, rechtzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen - und nicht erst, wenn die Anbindung an die Telematikinfrastruktur voraussichtlich 2024 zur Pflicht wird. Dazu gehören folgende Punkte:

Sicher ist, die Anbindung an die Telematikinfrastruktur wird kommen. Je besser die Vorbereitung, desto reibungsloser klappt am Ende die Umstellung. Herwig Loidl: „Nehmen Sie Ihren Software-Partner in die Pflicht, Sie bei der Umstellung zu begleiten.“

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