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23. Okt 2020 | Blog

Ehrenpflegas: Alles Geschmackssache

Elisabeth Scharfenberg

Der Pflegeberuf soll endlich attraktiver werden. Die Befürworter der generalististischen Ausbildung schrieben sich unter anderem genau das auf die Fahnen. Immer wieder hörte ich, dass die Pflegeberufereform den Pflegeberuf aufwerten und dass es deshalb mehr Azubis geben wird. Leider zeigt die Realität, dass das eben doch kein Selbstläufer ist.

Darum wurde vom Bundeministerium für Familie, von Frau Ministerin Giffey, eine Werbekampagne mit dem Slogan "Mach Karriere als Mensch" ins Leben gerufen. Zu dieser Kampagne gehört eine Mini-Web-Serie , die SchulabgängerInnen ermuntern soll, eine Pflegeausbildung zu machen. Das Werk heißt "Ehrenpflegas" und läuft seit dem 12. Oktober auf Youtube. Die kurzen Filme begleiten 3 junge Menschen in den Start ihrer generalistischen Ausbildung. Es sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, von der intellektuellen Überfliegerin bis zu einem jungen Mann, der in Ghettosprache dumme und auch saudumme Fragen stellt. In den Dialogen der 3 ProtagonistInnen wird versucht, die generalistische Ausbildung und den ganzen Pflegeberuf verständlich – aber vor allem – schmackhaft zu machen.

Das Konzept der Filmemacher, die sich im Stil an "Fack ju Göthe" anlehnen, scheint aber irgendwie nicht aufzugehen. Was im Kino der Kassenschlager war, ist in der Pflegeszene eher der Rohrkreppierer, so schreibt zumindest der Spiegel in einem Artikel vom 15.10.2020. Die Miniserie wird als entwürdigend, banal und wenig hilfreich gesehen. Sogar eine Petition dagegen läuft schon. Neugierig habe ich mir darum die Youtube-Filmchen der Ehrenpflegas selbst angeschaut. Ja, es ist leichte Kost, teilweise sind Klischees grob überzeichnet. Und nicht alles was gut gemeint ist, ist am Ende auch wirklich gut gemacht. Die Aufrufe der Filme zeigen aber, dass sie durchaus angeschaut werden. Ich glaube nicht, dass das nur entsetzte Pflegekräfte sind. Die erste Episode hatte bis jetzt über 460.000 ZuschauerInnen, die zweite immerhin noch über 100.000. "Fack ju Göthe" wurde gefeiert, mit genau den gleichen Stilmitteln, der Getthosprache und den überzeichneten Figuren der SchülerInnen und dem Lehrkörper. Kann sein, dass dieses Genre nicht zum Thema Pflege und Pflegeausbildung passt. Das ist und bleibt wohl auch Geschmackssache, sagte der Affe und biss in die Seife. Einen Versuch war es in meinen Augen in jedem Fall wert.
Elisabeth Scharfenberg
Elisabeth Scharfenberg ist Pflegeexpertin. Von 2005 - 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestags.
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