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10. Okt 2018 | News

Pflege-und Betreuungszeit können kaum durch Pflegegrade erklärt werden

Das 2016 an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) gestartete Projekt "Pflege in Baden-Württemberg. Entwicklung struktur- und prozessorientierter Qualitätsindikatoren in der Langzeit-Pflege in Baden-Württemberg" (PiBaWü) ist abgeschlossen und dürfte noch für Diskussionen sorgen.

Über 150 Vertreterinnen und Vertreter aus 58 stationären Pflegeeinrichtungen und 54 Pflegeschulen sowie deren Träger diskutierten intensiv die Ergebnisse des Forschungsprojektes "Pflege in Baden-Württemberg" (PiBaWü)/ Foto: Philipp Bentz

Die zentralen Ergebnisse der Studie stellen das System der Berechnung der Personalausstattung in Heimen infrage.

Innerhalb des drei Jahre laufenden Projektes bei dem mit 58 stationären Pflegeeinrichtungen und 54 Pflegeschulen zusammengearbeitet wurde, wurde der Zusammenhang von Pflegebedürftigkeit (Pflegegraden), Pflegequalität und Personalausstattung in der stationären Pflege untersucht. Auszubildende der Pflegeberufe unterstützten das Forschungsvorhaben durch die Erfassung der Pflege- und Betreuungszeit bei 2564 Bewohnerinnen und Bewohner über 48 Stunden an drei Tagen in 85 Wohnbereichen, indem sie Pflegekräfte begleiteten.

"Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass die Pflegestufen und übergeleiteten Pflegegrade die erfasste Pflege- und Betreuungszeit nur zu 21 Prozent erklären können", sagt Prof. Albert Brühl, Lehrstuhl für Statistik und standardisierte Verfahren der Pflegeforschung an der PTHV und Leiter der Studie. Mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 lasse sich für die ausschließlich nach dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff eingestuften Bewohner nur ein Anteil von 10 Prozent der Zeitunterschiede in Pflege- und Betreuungszeit auf den Pflegegrad zurückführen. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass ein Bewohner mit einem hohen Pflegegrad nicht mehr Pflege- und Betreuungszeit erhalten muss als eine Bewohnerin mit einem niedrigen Pflegegrad. Offensichtlich werde jedoch, dass die Kriterien der Pflegebegutachtung nicht zu einer der Pflegepraxis entsprechenden Einschätzung von Pflegebedürftigkeit gelangen müssen. Die Tatsache, dass der Erklärungsgehalt des Pflegegrades an der Pflege- und Betreuungszeit einen so geringen Anteil hat, werde insbesondere vor dem Hintergrund problematisch, dass die Pflegegrade zur Berechnung der Personalausstattung der Heime herangezogen werden. "Hier können wir sehen, dass die personelle Ausstattung und damit die für die einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stehende Pflege- und Betreuungszeit von der Fähigkeit einer Einrichtung abhängig ist, die Bewohnerin in einen möglichst hohen Pflegegrad eingestuft zu bekommen", fasst Prof. Brühl diese Problematik zusammen. Trotz gleicher gesetzlicher Rahmenbedingungen für alle Einrichtungen führt dies zu deutlichen Unterschieden in der Personalausstattung der Heime.

Zentrale Probleme der Pflegepraxis (Personalausstattung, Erbringen und Messen von Pflegequalität) wurden, so ein Fazit der Forscher, bislang durch den Standardisierungswillen und das Kontrollbestreben der Politik mit Hilfe der Pflegewissenschaft eher verschärft als gelöst. "Wir halten es für dringend geboten, dass Pflegeeinrichtungen mittels finanzieller Förderung für Sach- und Personalaufwände sowohl zur Entwicklung von Forschungskompetenzen als auch zur Beteiligung an Pflegeforschungsprojekten befähigt werden, um Entwicklungsmöglichkeiten im Rahmen der aktuell drängenden Themen mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse schaffen zu können", so die beteiligten Forscher.

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