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15. Okt 2018 | Blog

Pflege ist stark

Elisabeth Scharfenberg

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Bekannten. Sie ist Pflegekraft. Es dauerte gar nicht allzu lange und wir waren mittendrin in den Arbeitsbedingungen der Pflege. Da ging es um die Arbeitszeiten, um den Verdienst, um die Machtlosigkeit der Pflege. Wir waren also im Jammertal der Pflege angekommen.

Elisabeth Scharfenberg, Politikerin

Ich hörte Sätze wie "Wir können eben nicht streiken. Was sollen denn da unsere Patienten machen? Wer soll die denn dann versorgen?" Auf meine Frage, ob sie sich denn im Berufsverband oder bei ver.di engagiere, hörte ich "Ich weiß gar nicht, wann ich das machen sollte..." und "Das kostet so viel Geld. Das kann ich mir bei meinem Verdienst nicht leisten!" Es waren Sätze, die ich schon so unzählige Male und an so vielen Orten gehört habe. Immer aus dem Mund der Pflege. Übrigens nie aus dem Mund von Ärzten, die ja oft die gleichen Patientinnen und Patienten haben.

Pflege muss raus aus dem Zuschauersessel

Ich habe dann ganz massiv hinterfragt. Wieso man nicht streiken könne, es wäre doch eine Frage der Organisation. Wie man erwarten könne, dass die eigenen Belange sich zum Besseren wenden und man aber selbst nicht bereit sei, sich aktiv einzubringen. Das ich nicht glaube, dass es eine Frage der Beitragshöhe sei. Ich spreche es jetzt mal aus – auch auf die Gefahr hin, das dies nicht allen gefallen wird: Ich glaube, es ist oft auch einfach bequem. Es ist bequem, zu klagen, aber die Zuschauerperspektive quasi nicht zu verlassen. Ganz so, als sei man selbst nicht beteiligt oder betroffen. Ja, Pflege ist am Limit. Pflege arbeitet zu viel und verdient zu wenig. Aber dennoch ist die Pflege doch stark. Sie ist eine riesige Berufsgruppe. Sie kann sich ihren Arbeitgeber mittlerweile aussuchen. Sie ist ein Mangelberuf. Sie ist derzeit in aller Munde. Das ist wie ein Elfmeter, der verwandelt werden muss. Aber dafür muss man eben auch aufs Spielfeld gehen. Es heißt ja so schön, im Fernsehsessel ist jeder ein Experte, hat die Millionenfrage bei "Wer wird Millionär" schon mehrfach gelöst. Aber das Leben spielt sich nicht im Zuschauerraum ab.

Veränderung ist möglich

Darum haben wir uns auf die Suche gemacht, nach Altenpflegekräften, die den Zuschauerraum verlassen haben. Die auf die Bühne gegangen sind, weil sie nicht mehr bereit waren und sind, die jetzige Situation in der Pflege weiter so hinzunehmen. Es sind Pflegekräfte, die eine Bewegung gegründet haben, die für sich die Reißleine gezogen und sich selbstständig gemacht haben, die sich bei ver.di oder bei einer Pflegekammer engagieren. Es sind auch Pflegekräfte, die ihren eigenen Arbeitsalltag in die Hand nehmen und sagen "So nicht mehr!" Wir sind fündig geworden. Inga Teglas, Kommunikationsberaterin, und ich haben gemeinsam daraus ein Buch entstehen lassen. In unserem Buch "Pflege ist stark!" erzählen wir von diesen Pflegekräften. Wir fragen nach ihren Beweggründen und ihrem Weg. Wir wollen zeigen, dass es sich lohnt, den Zuschauerraum zu verlassen. Spannend für uns war, wie unterschiedlich die Beweggründe, der Leidensdruck, die Wege zur Veränderung waren. Und auch, wie unterschiedlich Veränderung sein kann. Am Ende haben wir festgestellt, dass es sich lohnt, das eigene Kuschelsofa zu verlassen. Für sich selbst und eben auch für die Pflege als Berufsstand. Unser Buch erscheint Ende des Jahres bei Vincentz Network.

Freiwilligen-Management

Bücher

Freiwilligen-Management

In vielen Einrichtungen kann und will man nicht auf freiwilliges Engagement verzichten. Umso wichtiger ist, die Motivation ehrenamtlicher Helfer zu stärken und zu würdigen. Sie in ihrer Tätigkeit zu unterstützen und verlässlich in den Heimalltag einzubinden. Wie dies gelingt, beschreibt Kornelia Ehm-Widmann. In vielen Praxisbeispielen greift sie auf Erfahrungen als Einrichtungsleiterin und Referentin zum Thema „Freiwilligenarbeit“ zurück. Heim- und Pflegedienstleitungen profitieren so von praxiserprobten Konzepten. Die Themenpalette des Leitfadens reicht von den Grundlagen gelingender Ehrenamtsarbeit über die Bedeutung der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen bis zu systematisierten Prozessen im Freiwilligen-Management. Profitieren auch Sie von gut geschulten und eingebundenen Helfern: Ihre Bewohner sind zufriedener, genießen mehr individuelle Zuwendung. Die Wirkung Ihrer Einrichtung in das Umfeld, die Sicht von außen verbessert sich.

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1 Kommentare

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18. Okt 2018

Ich habe vor 35 Jahren Examen gemacht, da haben wir schon gejammert wir sind zu wenig, wir habens zu schwer, keiner sieht was wir tun, die Bezahlung ist schlecht usw. Ich kann das Gejaller nicht mehr hören und danke Frau Scharfenberger für Ihr Statement und Engagement. Ich ende mit einem Zitat von Agnes Karll: "Wer soll uns denn unseren Beruf aufbauen, wenn wir es nicht selbst tun! Wir haben gar kein Recht zu verlangen, dass andere das tun. Selbstständigkeit ohne Verantwortung gibt es nicht, das muss sich jede einzelne von uns dauernd vor Augen halten." Jutta König Wiesbaden

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