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04. Nov 2020 | Politik

Freiwillige und befristete Mehrarbeit nicht ausbremsen

Für Notfälle ist nach Auffassung des Bremer Pflegeforschers Heinz Rothgang auch eine vorübergehende Ausdehnung der maximalen Arbeitszeit in der Pflege sinnvoll.

Heinz Rothgang, Professor am Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.

Foto: David Ausserhofer

"Wenn die Hütte beispielsweise durch einen Corona-Ausbruch brennt und da sind Leute, die bereit sind, mehr zu arbeiten, dann sollte das ermöglicht werden - das finde ich vernünftig", sagte der Gesundheitsökonom dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Wissenschaftler reagierte damit auf einen Vorstoß des niedersächsischen Sozialministeriums, das mit einer Allgemeinverfügung ermöglichen will, dass Beschäftigte unter anderem in der Pflege  bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten können. Wenn das freiwillig und befristet in einer Notlage mit vernünftigem Lohn und unter Achtung der Mitbestimmung geschehe, "sollte man diejenigen, die dazu bereit sind, ordnungsrechtlich nicht ausbremsen", führte Rothgang aus.

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) will mit der umstrittenen Verfügung flexible Lösungen im Einklang mit dem Arbeitszeitgesetz ermöglichen. Ihren Vorstellungen zufolge würde das beispielsweise bei Corona-Infektionen in einer Einrichtung oder bei Quarantäne-Fällen unter den Beschäftigten helfen. Die coronabedingten Lücken durch die Anwerbung von Berufsaussteigern zu füllen, gelinge "nicht in der Masse", sagte Rothgang. Entsprechende Versuche hätten in der ersten Welle lediglich einen Zuwachs im Promillebereich gebracht. Notlagen-Regelungen wie die Ausweitung der Arbeitszeit könnten die Misere aber nicht grundlegend ändern, mahnte Rothgang. "Wir brauchen in den Pflegeheimen gut ein Drittel mehr Personal", bezifferte der Professor den Fachkräftemangel, den er noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie in einer  Untersuchung zur Personalbemessung errechnet hat. Gefragt seien vor allem Assistenzkräfte mit einer Ausbildung von einem oder zwei Jahren, erläuterte Rothgang. Die Ergebnisse der Studie werden derzeit vom Bundesgesundheitsministerium stufenweise umgesetzt. Den Pflegekräftemangel sofort zu beseitigen gehe nicht, weil zunächst ausgebildet werden müsse. "Aber sofort in den Stufenplan einzusteigen, das ist nötig", betonte der Experte. "Meine Vorstellung wäre ein Mehr-Jahres-Plan, der mit 20.000 zusätzlichen Stellen für Pflegeassistenzkräfte im kommenden Jahr beginnt." Die Perspektive sei wichtig. "Wir brauchen einen Fluchtpunkt, einen Endpunkt, um allen Leuten sagen zu können: Wir haben uns verbindlich festgelegt und sind auf dem Weg. Wenn du jetzt in die Ausbildung gehst, hast du in fünf Jahren 30 Prozent mehr Kolleginnen und Kollegen neben dir."

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