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11. Aug 2017 | Blog

Freebies in der Pflege

Elisabeth Scharfenberg

Fachkräfte werden in der Pflege dringend gesucht. Es gilt, trotz Personalnot gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und um sie zu werben – zum Beispiel mit Freebies.

Elisabeth Scharfenberg, Politikerin

Ein Freebie ist ein Werbegeschenk. Es ist eine Gratisgabe, die es oben drauf gibt. In der Onlinewelt will man damit Menschen dazu bewegen, dass sie sich bei einem Newsletter eintragen, ihre Kontaktdaten freigeben. Dafür gibt es ein Gratis-E-Book oder irgendein Online-Seminar. All das sind Appetithappen, um Lust auf mehr zu machen. Aus Interessenten sollen Kunden werden.

Ähnlich geht es in der Pflege zu. Da wird auch mit Freebies gearbeitet. Um Pflegekräfte dazu zu bewegen, im eigenen Unternehmen zu arbeiten. Dem Einfallsreichtum ist dabei keine Grenze gesetzt. Das geht von regelmäßigen Zuwendungen in Form von Tankgutscheinen, einem Kindergartenplatz, Hilfe bei der Wohnungssuche, Einmal-Zahlungen bis zu Fitnessstudio-Mitgliedschaften oder gesundem kostenfreien Frühstück am Arbeitsplatz.

Gratis-Frühstück oder tiefe Wertschätzung

Ich habe letzthin eine Diskussion auf Facebook diesbezüglich verfolgt. Auf die Mitteilung einer Pflegekraft, sie würde nun regelmäßig ein Gratis-Frühstück in ihrem Pflegeheim bekommen, antwortete eine andere, bei ihr würde es nur schlechten Kaffee geben, den sie auch noch bezahlen müsse. In dieser Einrichtung sollte das Thema Wertschätzung wohl mal eingehend diskutiert werden. 

Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass Menschen nur dann gerne arbeiten, wenn ihre Arbeit anerkannt wird. In meiner Umfrage unter 4.500 Pflegekräften im letzten Jahr wurde dies allzu deutlich. Nur jede vierte Pflegekraft wird bei ihrer täglichen Arbeit durch Wertschätzung von Vorgesetzten motiviert, nur jede fünfte durch Verbundenheit zum Arbeitgeber. Sie fühlen sich vor allem den Pflegebedürftigen verbunden, an zweiter Stelle ihren Kolleginnen und Kollegen. Da ist für das Arbeitsklima noch Luft nach oben. Eine Pflegekraft ergänzte, sie werde motiviert durch die "tiefe, echte Wertschätzung durch meine Stationsleitung". Würden wir nicht alle sofort auf ihrer Station arbeiten wollen?  

In meiner Heimat Oberfranken gibt es das Sprichwort: Nicht geschimpft ist genug gelobt! Machen wir uns klar: Nicht alle Sprichwörter haben recht. Dieses ganz gewiss nicht. Offenheit und Vertrauen, Zuhören und Feedback geben, Einbinden in Entscheidungen, Lob und Unterstützung – das alles gehört zu wertschätzender Führung.

Freebie und gute Führung

Und die Freebies in der Pflege? Sie sind beides: Werbung und Wertschätzung. Und im besten Fall tun sie auch noch etwas für die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Man kann mit ihnen zunächst neues Personal anlocken. Um sie auf Dauer zu halten, braucht es jedoch mehr. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Wie ist die Bezahlung, funktioniert die Dienstplanung, wie ist das Arbeitsklima, ist das Holen aus dem Frei Normalität oder die Ausnahme – gute Arbeitsbedingungen sind nunmal mehr als nur guter Kaffee. Und dann läuft es genau wie in der Onlinewelt. Der Appetithappen, der Lust auf mehr machen soll, muss der Qualitätsanforderung an ein ganzes Menü standhalten. Passt der versprochene Inhalt nicht, wird man sich sehr schnell von der Newsletter-Liste abmelden oder – im Fall der Pflege – nicht länger an diesem Arbeitsplatz bleiben. Freebies und gute Führung – das wäre eine Kombination, die Erfolg haben könnte. 

Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen

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Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen

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