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15. Nov 2019 | Blog

Die Pflegerevolution

Elisabeth Scharfenberg

Dieser Tage wurde das zweite Rothgang-Gutachten, das die Initiative Pro Pflegereform in Auftrag gegeben hat, vorgestellt. Die Ergebnisse des Gutachtens gleichen einer Revolution. Es geht um eine komplette Neuordnung der Pflege.
Elisabeth Scharfenberg

Elisabeth Scharfenberg, Politikerin

Im Mittelpunkt stehen Menschen, stehen die Pflegebedürftigen und deren An- und Zugehörige. Allein dieser Ausdruck zeigt schon die Richtung, in die es geht. Denkverbote werden aufgehoben. Es wird damit deutlich, dass es viele verantwortungsvolle menschliche Verbindungen gibt, die nichts mit einer Verwandtschaft zu tun haben. Es geht in dem Gutachten weiter um die Finanzierung, die, übrigens auch unabhängig davon, neu ausgestaltet werden muss. Vom Sockel-Spitze-Tausch ist die Rede. Hier soll ähnlich wie bei einer Autohaftpflicht-Versicherung der Eigenanteil festgeschrieben werden. Im Gutachten verständigt man sich auf einen Betrag von 471 Euro – alle weiteren pflegebedingten Kosten zahlte dann die Pflegeversicherung. Das würde die Beiträge in die Pflegeversicherung in die Höhe treiben. Ich finde das in Ordnung. Aber es muss auch überlegt werden, wer diese Erhöhung trägt. Es ist wirklich an der Zeit, dass endlich Steuerzuschüsse für die Pflegeversicherung bereitgestellt werden. In anderen Bereichen, wie der Landwirtschaft etwa, da wird der Steuersack ganz schnell geöffnet, wenn der Sommer wahlweise zu nass, zu trocken, zu windig war. Warum zeigt hier unser Gesundheitsminister Spahn eine Bescheidenheit, die der Landwirtschaftsministerin Glöckner komplett abgeht?

Ergänzend dazu sollte man auch die Pflegebürgerversicherung doch endlich mal ernsthaft überdenken. Die Zeit für ideologisches Blabla ist wirklich vorbei. Besonders spannend finde ich aber, den Vorschlag, die Pflegegrade abzuschaffen und bei Begutachtungen ein individuelles Budget festzulegen, dass sich nach dem Bedarf des pflegebedürftigen Menschen richtet. Case- und CaremanagerInnen würden dann über mögliche Leistungen beraten. Die Sektoren würden aufgehoben und es gäbe Module, aus denen gewählt werden könnte. Was für ein spannendes Gutachten! In schwierigen Zeiten – und in einer solchen befindet sich die Pflege – braucht es mutige Überlegungen. Mehr vom Alten wird den Pflegenotstand nicht in den Griff bekommen. Das Rothgang-Gutachten veranlasst uns dazu mal tüchtig umzuparken im Kopf, mal aus Denkmustern auszubrechen und damit Denkverbote aufzuheben. Ich freue mich auf die Diskussion!

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

22. Nov 2019

Solch einen uninspierierten "Kommentar" liest man selbst heutzutage selten. Es erscheint maximal wie eine individuelle Meinungsäußerung einer Politikerin, nicht einer von wem auch immer dau erklärten "Pflegeexpertin". Denkverbote werden im Gutachten aufgehoben, weil der Mensch im Mittelpunkt steht? Echt jetzt? Das war ja bisher völlig anders... Der Sockel-Spitze-Tausch in der Finanzierung ist natürlich ebenfalls ein bahnbrechend neues Konzept, ebenso die Steuerfinanzierung, oder Bürgerversicherung. Der Vorschlag individuelle Budgets festzulegen - wow! Noch mehr Arbeitskräfte in Pflege, Versicherung und auch bei den Sozialgerichten die für scheinbare Gerechtigkeit und angebliche Mehr-Leistungen von tatsächlicher Arbeit am und für Menschen zugunsten einer überbordenden Bürokratie abgezogen werden. "Im Kopf kräftig umparken" und den "Pflegenotstand in den Griff" bekommen wir weder mit immer neuen Gutachten und erst recht nicht mit diesem Kommentar. Den Pflegenotstand in den Griff bekommen wir mit Menschen die bereit sind in und für die Pflege zu arbeiten. Davon gibt es schon demographisch immer weniger, dafür aber immer mehr potentielle Leistungsempfänger. Wenn wir ehrlich sind besteht das "Umparken im Kopf" darin laut über Leistungskürzungen und marktwirtschaftliche Preise, für Pflegeleistungen zu reden - bei leistungsgerechten Lohnstrukturen und Arbeitsbedingungen. Vielleicht interessieren sich dann auch diejenigen Wähler für Pflege, die sonst erst im eigenen familiären Krisenfall darüber nachdenken und bis dahin nichts, oder nur "Kosten" sehen. Vielleicht bekommt Pflege dann den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellenwert der ihr gebührt und der Mensch rückt tatsächlich in den Mittelpunkt. Aber mir realitisch diese Resozialisierung von kommentierenden Politiker/innen und Gesellschaft vorzustellen fällt mir schwer. Und dann passt die titelgebende "Revolution" auch schon wieder zum kleinsten Fliegenschiß!

Unbekannter Nutzer

21. Nov 2019

Die Pflegeexpertin! Ich lach mich kaputt! Was hat diese Dame jemals im Bereich Pflege erreicht? Null komma null. Hauptsache überall wichtig mitreden. Eigentlich bin ich von einem renommierten Verlag wie Vincentz enttäuscht, derartige "Experten" Artikel schreiben zu lassen.

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