Created with Sketch.

13. Feb 2017 | Blog

Das Schweigen in der Pflege

Elisabeth Scharfenberg

Der offene Brief von Jana L. an Bundeskanzlerin Merkel ging unlängst durch die Presse. Die Krankenschwester sprach offen an, welche gefährlichen Auswirkungen der Pflegenotstand hat. Die Pflege will aufrütteln -  jedoch meist anonym. So wie eine Auszubildende, die mir eine bedenkliche Situation schilderte.

Elisabeth Scharfenberg, Politikerin

Dieser Tage erreichte mich aus Baden-Württemberg das Schreiben einer Auszubildenden in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Sie reagierte auf meinen Aufruf an Pflegeschülerinnen und -schüler mir mitzuteilen, warum sie sich für die Pflegeausbildung entschieden haben und wie ihr Alltag ausschaut. Der erste Satz des Schreibens enthielt die Bitte, ihren Brief zu veröffentlichen - jedoch anonym. Oha, dachte ich, was wird da kommen.  

Die Pflegeschülerin schildert mir eine Schicht auf ihrer Station: "Wie wir alle wissen, herrscht in Deutschland Pflegenotstand, dieser macht sich auch bei uns im Krankenhaus bemerkbar, wenn sich z.B. eine examinierte Fachkraft zum Spätdienst am Wochenende krank meldet und keiner für sie einspringt. Ich finde dies völlig verständlich, wenn die Überstunden der Festangestellten schon im 3-stelligen Bereich liegen. Allerdings hört mein Verständnis auf, wenn ich als Auszubildende im 2. Lehrjahr das ausgleichen muss. In dieser Spätschicht (12:52h bis 21:00h) am Samstagnachmittag waren wir eine examinierte Pflegefachkraft, eine Pflegeassistentin in Ausbildung und ich."

Sie beschreibt weiter wie sie durch diesen Arbeitstag kommt. Normalerweise würden zwei Fachkräfte sich die Station aufteilen, während Auszubildende nur mitlaufen und einzelne Aufgaben entsprechend ihrem Ausbildungsstand übernehmen, sich bei Fragen aber jederzeit an die examinierten Pflegekräfte wenden können. Stattdessen wird die Pflegeschülerin alleine losgeschickt: Ich gehe von Zimmer zu Zimmer, dokumentiere nebenher noch meine Tätigkeiten und warte darauf, dass die examinierte Fachkraft zu mir dazu stößt und mithilft, aber ich warte vergeblich. Den Durchgang beende ich gegen 17:00h, zum Glück bekam ich Unterstützung von der Pflegeassistentin u.a. beim Lagern der pflegebedürftigen Patienten und beim Inkontinenzhosen wechseln. Ich bat diese um 16:30h das Essen auszuteilen, dafür bekam sie von der anderen Auszubildenden Unterstützung, welche eigentlich Feierabend gehabt hätte. Die examinierte beschäftigte sich im Stationszimmer.

Die examinierte Fachkraft, die sie begleiten und anleiten soll, ist in weiten Teilen der Schicht gar nicht greifbar. Erst kurz vor Ende der Schicht übernimmt sie zwei Neuzugänge. Fazit der Pflegeschülerin: Was sie sonst in der Spätschicht gearbeitet hat weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie mich weder unterstützt noch angeleitet hat und mich mit fast 40 Patienten allein gelassen hat. Ich frage mich, mit welchem Gewissen ist diese examinierte Pflegefachkraft nach Hause gegangen, wie konnte sie diese Spätschicht verantworten? Ich hingegen war müde, wütend, enttäuscht und traurig. Ich arbeite gerne und ich übernehme gerne auch einen Teil der Verantwortung, sonst lerne ich nicht dazu, aber das war mir zu viel."

Was ist da los, habe ich mich gefragt? Wo liegt hier denn der Hase im Pfeffer? Und warum muss eine solche Realitätsbeschreibung anonym veröffentlich werden? Wie können wir die Situation in der Pflege – für alle Beteiligten – verbessern, wenn so wenige wirklich Ross und Reiter nennen? Wenn Auszubildende Probleme nicht offen ansprechen können, wenn Pflegekräfte Missstände zwar kennen, aber sie quasi mittragen, aus Angst vor Repressalien. 

Herrscht in dieser Branche eine kollektive Angst, Probleme zu benennen? Lähmt sich die Pflegebranche selbst? Und vergibt sie damit nicht auch die Chance, aus Fehlern zu lernen? Für mich stellt sich auch die Frage nach der Rolle der Führungskräfte. Gerade die Führungskräfte in der Pflege - die Einrichtungsleitungen, die PflegedirektorInnen, die Pflegedienstleitungen  - sind für das Personalmanagement extrem wichtig. Bei ihnen laufen die Fäden zusammen. Sie geben auch vor, wie mit Kritik oder Fehlern umgegangen wird. Sie sollten für Transparenz sorgen. 

Ich würde mir wünschen, dass hier alle viel mutiger und offener werden. Denn es braucht Mut und Offenheit, sich der Realität zu stellen und ein konstruktives Fehlermanagement zu ermöglichen. Aber nur dann, wenn Missstände und Fehlentwicklungen benannt werden, können sie erkannt und behoben werden. Und eine engagierte Auszubildende müsste keinen anonymen Brief mehr schreiben.

Pflegegrad beantragen - so geht's

Videos

Erklärvideo 1: Pflegegrad beantragen - so geht's

Der Einzug ins Pflegeheim stellt Pflegebedürftige wie Angehörige vor viele Fragen. Setzen Sie hier auf moderne Kundeninformation. Nutzen Sie leicht verständliche Erklärvideos für Ihre Homepage oder im Angehörigengespräch. Videos, die professionell, informativ und sympathisch über Pflegegrade, Heimkosten oder den Umzug ins Pflegeheim informieren. So vermitteln Sie einen ersten positiven Eindruck von Ihrer Einrichtung und beantworten Heimplatzsuchenden die dringendsten Fragen schon vor dem Erstgespräch.

Nutzen Sie attraktive Mengenrabatte für Kombipakete:

Erklärvideo 1: Pflegegrad beantragen - so geht’s, 4:25 Minuten, 555,56 €, Best.-Nr. 21913

Erklärvideo 2: „Was kostet ein Platz im Pflegeheim? 4:03 Minuten, 555,56 €, Best.-Nr. 21931  

Erklärvideo 3: „Der Umzug ins Pflegeheim“, 4:00 Minuten, 555,56 €, Best.-Nr. 21932

Kombi-Pakete mit Mengenrabatt – 2 Erklärvidos zur Wahl – für 938,28 € statt 1111,12 €:

Erklärvideo 1 plus Erklärvideo 2 938,28 €, Best.-Nr. 21933

Erklärvideo 1 plus Erklärvideo 3, 938,28 €, Best.-Nr. 21934

Erklärvideo 2 plus Erklärvideo 3, 938,28 €, Best.-Nr. 21935

Komplettpaket mit Mengenrabatt – 3 Erklärvideos für 1222,22 € statt 1666,68 €, Best.-Nr. 21936

Die Vorteile von Erklärvideos:

  • Als audiovisuelles Medium schaffen Erklärfilme in wenigen Minuten bleibendes Verständnis für komplexe Themen.
  • Erklärvideos erreichen Betrachtende auf der emotionalen Ebene, so prägen sich die vermittelten Inhalte nachweislich besser ein.
  • Sympathische Bewegtbilder hinterlassen bei der Zielgruppe einen positiven Eindruck und tragen zur Image-Steigerung der Einrichtung bei.
  • Erklärvideos erhöhen die Verweildauer von Nutzern auf Ihrer Website und haben damit erheblichen Einfluss auf das Google-Ranking.
  • Neben der Marketingfunktion nach außen fördern Erklärvideos durch Imageaufbau und Arbeitserleichterung auch Mitarbeitergewinnung, - motivation und -zufriedenheit.

Individualisierung: Machen Sie Ihre Erklärvideos zu Ihren ganz eigenen Videos. Angefangen mit Ihrem Logo im Vor- und Abspann bis hin zu individuell gezeichneten Elementen. Preise auf Anfrage an markus.bendix@vincentz.net

Tags

Das könnte Sie auch interessieren!

1 Kommentare

Sie sind aktuell nicht eingeloggt.

Um einen Kommentar zu verfassen, melden Sie ich bitte an.

Login

Unbekannter Nutzer

16. Feb 2017

Sehr geehrte Frau Scharfenberg, danke für den Artikel, auch wenn ich diesen, wie mein 'Vorredner', als etwas einseitig ansehe. Um bei Ihrem konkret beschriebenen bzw. wiedergegebenen Beispiel zu bleiben..., was die einzige Fachkraft während des Spätdienstes im Stationszimmer tatsächlich getan hat, ist nicht bekannt, die AZUBI gibt einzig ihre Wahrnehmung und Enttäuschung wider, was ich natürlich verstehen kann. Wer die Pflege, egal ob im Krankenhaus oder Pflegeheim jedoch aus der Praxis kennt, weiß, dass insbesondere auch die bürokratischen Aufwendungen in diesem Land erheblich sind; zwei am Dienstende neu aufzunehmende Patienten bedürfen hier auch noch zusätzlichen Aufwand, auch in der Vorbereitung. Für mich stellen sich bei Ihrem Beispiel zwei Grundproblematiken als primär heraus: - mangelhafte Kommunikation/Struktur innerhalb des Bereiches/der Station - mangelhafte politische Rahmenbedingungen, welche grundlegend für solche personellen Engpässe verantwortlich sind Was mögliche Problemlösungsstrategien angeht, halte ich es doch recht pragmatisch. Reden und appellieren, wie es besonders Politiker/innen gerne tun, bringen im Ergebnis nichts oder noch schlimmer, eben solche Berichte, wie dieser Brief. Menschen, vor allem die, welche sich doch eigentlich als gewählte Volksvertreter/innen gerade für die Interessen der Schwachen und Kranken in der Gesellschaft einsetzen wollen, sollten sich stets über das, was sie kommentieren bzw. fordern, vorab in der gelebten Praxis informieren und noch besser, erleben, am Besten im Rahmen eines kostenlosen Praktikums (die Bezüge als Politiker/in werden ja wohl nicht während eines Praktikums gekürzt?). Gerade im Vorfeld von Wahlen (sog. Wahlkampf) bekomme ich doch regelmäßig Anfragen von Politikern bzw. deren Referenten, ob sie nicht an einem Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in einer lockeren Runde mit unseren Bewohnern zusammenkommen könnten, man wolle sich doch deren Sorgen und Problemen annehmen. Dies lehne ich stets mit dem Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen Bewohners ab, d.h. die Anfragen sind bei mir völlig fehl am Platz. Aber ich lade an dieser Stelle stets dazu ein, im Rahmen eines Praktikums sowohl die Bewohner als auch die sie umgebende und für sie, im Rahmen durch die Politik und Gesellschaft zur Verfügung gestellten Mittel (Rahmenbedingungen), sorgende Einrichtung kennenzulernen. Ergebnis: In 25 Jahren habe ich das noch nicht ein einziges Mal erlebt. Ach ja, und ist erst der sog. Wahlkampf beendet, gibt es dieses Interesse auf einmal auch nicht mehr... Nun bin ich aber doch etwas abgeschweift, es gehört dennoch aus meiner Sicht zur Gesamtthematik dazu. Dienste am und für den Menschen (eben auch klassische Alten- und Krankenpflege) dem sog. privaten Markt (inkl. der Kranken- und Pflegekassenstrukturen in diesem Land) zu überlassen, war und ist ein großer Fehler, weil alles, was über monetäre Strukturen und Zwänge in kapitalistischen Leistungs-Strukturen in diesen Bereichen organisiert und geregelt wird, immer mangelhaft sein wird, weil es eben keinen Mehrwert oder deutlicher ausgedrückt, Profit generiert. Und wenn doch, dann nur in privatwirtschaftlichen Organisationsstrukturen, wobei hier der Profit nur einigen wenigen zugutekommt. Das Paradoxe daran ist, dass z. Bsp. bei Organisationsstrukturen, welche übergeordnet in einer AG angesiedelt sind, deren Aktionäre an Gewinnen beteiligt sind, andererseits aber auch Betroffene sein können, deren Eltern in einer solchen Pflegeeinrichtung untergebracht sind und ggf. Mangel leiden. Ich möchte damit keinesfalls vorgenannte Organisationstrukturen allgemein verunglimpfen oder gar schlechtmachen, im Gegenteil! Ich möchte damit einzig meine Meinung untermauern, dass sog. Wettbewerb im Gesundheitsbereich und gerade in der Altenpflege kontraproduktiv ist und immer zu Lasten der Betroffenen geht. Sicher gibt es auch im Gesundheitsbereich, wie in allen anderen Branchen (hier möchte u.a. die Finanzbranche nennen), mangelhafte Organisationstrukturen und Führungskräfte. Aber diese alleinig für die Missstände verantwortlich zu machen, ist gelinde gesagt eine Frechheit! Gerade diese versuchen immer wieder aus dem Verfügbaren das Bestmögliche herauszuholen und müssen nicht selten dabei im perm. Spagat agieren und sich zerreißen. Misslingt dies aus den verschiedensten Gründen, ist es heute keine Seltenheit mehr, dass auch in diesem Bereich Einrichtungen in die Insolvenz gehen. Im Gegensatz zur von mir oben benannten Finanzbranche erfolgt hier jedoch keine Rettung durch die Gemeinschaft, nämlich dem Steuerzahler. Ach' ja, warum wehren sich eigentlich so Wenige aus der Pflege? Warum wird hier nicht mehr Druck gemacht? Sind die Pflegenden gar selber für den Mangel verantwortlich? Haben sie Angst, Kritik zu üben? Liebe Frau Scharfenberg, einen Beruf im Gesundheitswesen zu beginnen und auszuüben, hat viel mit Idealismus und Menschliebe zu tun; es gibt nicht Wenige, die auch gerne von Nächstenliebe sprechen... Nach Jahren perm. Überlastung, ungeregelten Tagesabläufen, mangelndem Privat- und Familienleben, gesundheitlichen Einschränkungen und natürlich auch finanziellen Zwängen haben die Meisten schlichtweg keine Kraft und Energie mehr, ebendies zu tun, nämlich Anzukämpfen gegen die mangelhaften Rahmenbedingungen, für welche auch Sie als gewählte Politikerin verantwortlich sind!

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Ok