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27. Okt 2022 | Politik

KDA-Psychologin stellt das System Pflegeheime infrage

Mit ungewöhnlich harten Worten hat die Psychologin und ehemalige SPD-Bundestagsabegeordnete Lale Akgün das System der staionären Pflegeeinrichtungen beschrieben. „Es spuckt Menschen aus der Gesellschaft aus und gibt ihnen das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden“, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) anlässlich des 60. Jubiläums des KDA dem Evangelischen Pressedienst.

Am Donnerstag (27.10.) feiert das KDA in Berlin sein 60-jähriges Bestehen. Es wurde 1962 vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübcke und dessen Frau Wilhelmine gegründet.
Foto: KDA

Zwar gebe es gut geführte Heime, die seien aber in der Regel teuer, sagte Akgün. Statt in weit draußen im Grünen gelegenen Heimen sollten ältere Menschen eher in kleineren Wohneinheiten in den Zentren von Dörfern und Städten leben, in altersgemischten Nachbarschaften, wo sie in ihren gewohnten Netzwerken bleiben könnten. Erstrebenswert sei auch, dass Menschen im Alter so lange wie möglich zu Hause bleiben können, sagte die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete. Dabei müsse jedoch eine Isolierung in den eigenen vier Wänden verhindert werden.

Seniorinnen und Senioren müssten außerdem vor extremen Kostenanstiegen in der Pflege geschützt werden, forderte Akgün. Das Kuratoriumsmitglied der KDA sagte, sie unterstütze die Idee des Sockel-Spitzen-Tauschs. Dabei zahlen Pflegebedürftige nur einen Sockelbetrag für ihre Pflege, die Pflegekassen den Rest. Derzeit ist es umgekehrt, was dazu führt, dass die Pflegebedürftigen Preissteigerungen alleine tragen müssen.

Am Donnerstag (27.10.) feiert das KDA in Berlin sein 60-jähriges Bestehen. Es wurde 1962 vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübcke und dessen Frau Wilhelmine gegründet. Das KDA berät Einrichtungen, Politik und Verwaltung und versteht sich dabei als unabhängige Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis.

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3 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

09. Nov 2022

Frau Akgün, bitte aufwachen! Frau Akgün hat stellvertretend für ihren Verband leider noch immer nicht verstanden, dass es die vom KDA seit langem schon vielbeschworenen „Netzwerke im Quartier“ als einzig glücklich machende Lösung so nicht gibt. Statt die Abschaffung von „teuren Pflegeheimen“ zu fordern, sollte der KDA besser der Tatsache ins Auge sehen, dass gerade die vielen gut geführten Heime schon seit langem eine echte Chance bieten, das Fehlen dieser sozialromantisch verklärten Netzwerke aufzufangen. Frau Akgün sollte sich auch einmal fragen, warum Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Senioren, die es inzwischen schon seit mehr als 20 Jahren in Deutschland gibt, sich hierzulande noch immer nicht flächendeckend durchgesetzt haben. Könnte es vielleicht daran liegen, dass diese WGs trotz einer vglw. deutlich besseren Refinanzierung (Stichwort: Tripleförderung durch SGB V- u. SGB XI-Leistungen sowie ggf. Landeszuschüsse) hinsichtlich der Miet- und Betreuungskosten im Verhältnis zu Heimen noch sehr viel teurer sind??

Unbekannter Nutzer

02. Nov 2022

Guten Tag Frau Akgün, was Sie als stellv. Aufsichtsratsvorsitzende des KDA an Allgemeinplätzen über Stationäre Altenhilfe hier öffentlich undifferenziert von sich geben schadet sowohl dem Ansehen des KDA als auch den vielen stationären Pflegeeinrichtungen, die mit hochmotivierten Mitarbeitenden und Leitenden vielen pflegebedürftigen Menschen in kompetenter und menschlicher Weise ein neues passendes Zuhause geben. Derartig plakative Aussagen wie die Ihren sind es, die neben anderem auch dazu führen, dass das Berufsbild der Pflegefachperson und der Betreuung altgewordener Menschen in ein völlig falsches Licht gerät. Ich kann mich der anderen Kommentatorin vollumfänglich fachlich-inhaltlich anschließen - die Aufgaben des KDA an dieser Stelle sind sicher andere, um in dieser Gesellschaft für eine Verbesserung der Situation pflegebedürftiger Menschen und der Pflegenden und Betreuenden mitzuwirken. Bei Ihren "harten Worten" gewinnt man den Eindruck, dass Sie mit der Pflege und Betreuung in den Häusern Stationärer Langzeitpflege nicht vertraut sind. Ich lade Sie ein, z.B. in Einrichtungen der Diakonie zu hospitieren und sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden. Viele altgewordene Menschen, für die in einer bestimmen Lebensphase eine stationäre Pflegeeinrichtung mit ihrer 24-Stunden-Versorgungssicherheit genau die richtige Wohn- und Pflegeform ist werden durch solche Äußerungen vorab in tiefe Ängste versetzt, wenn sie denn doch in eine Einrichtung umziehen müssen. Den Angehörigen verursacht dieser Schritt dann tiefe Schuldgefühle. Schade, wenn Ihre Meinung die des ansonsten doch seriös agierenden KDA darstellt. www.meinepflegeheimat.de Eine Referentin für Stationäre Altenhilfe in der Diakonie

Unbekannter Nutzer

01. Nov 2022

Sehr geehrte Frau Akgün, Ihre Aussage, dass die Gesellschaft Menschen ausspucke und ihnen das Gefühl dadurch gibt, nicht mehr gebraucht zu werden, kann ich so nicht stehen lassen. Im Gegenteil – erlebe ich als Leiterin einer stationären Einrichtung, dass viele Menschen, die zu uns kommen, seit langer Zeit mal wieder das Gefühl erhalten, gebraucht und gesehen zu werden. Des Weiteren steigern Sie durch eine solch undifferenzierte Aussage, dass schlechte Gewissen der Angehörigen, die oftmals bis zur Selbstaufgabe und völligen Erschöpfung ihre Angehörigen in der Häuslichkeit pflegen und sich erst viel zu spät trauen, den Weg in die stationäre Pflege zu wagen. Auch die Aussage, dass es erstrebenswert sei, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, ist mit Verlaub sozialromantisch und an der Realität vorbei, erleben wir an der Pflegebasis, dass die Menschen oftmals in der Häuslichkeit völlig vereinsamen und verwahrlosen. In Anbetracht einer steigenden Anzahl an pflegebedürftigen Menschen gegenüber immer weniger Pflegekräften von kleinen Wohneinheiten zu sprechen und das schlechte Image, der stationären Pflegeeinrichtungen weiter zu befeuern, ist als politische Vertreterin verantwortungslos. Stattdessen wäre es Ihre Aufgabe für die Anerkennung, Vergütung und Personalausstattung zu sorgen, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten gefordert wird. Sowohl die ambulante als auch die stationäre Pflege wäre dankbar, wenn endlich politische Rahmenbedingungen geschaffen würden, die flächendeckend würdevolle Pflege ermöglichen könnten. Auf Applaus oder, wie in Ihrem Fall, Häme können wir gern verzichten. Mit freundlichen Grüßen Eine Einrichtungsleiterin einer stationären, gemeinnützigen Einrichtung, die stolz auf die Mitarbeitenden ist, die trotz der widrigsten Umstände, professionelle und gute Arbeit leisten! PS.: Man spricht nicht mehr von Heimen, sondern von Pflegeeinrichtungen, Frau Akgün. Worte schaffen Werte.

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