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22. Jul 2021 | News

Flutkatastrophe: Viele Pflegeheime stehen vor dem Nichts

Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen stehen viele soziale Einrichtungen wie Pflegeheime vor dem Nichts. Wann wieder "normale" Beratungs- und Betreuungsarbeit möglich ist, ist völlig unklar.


Flutkatastrophe Kirchner-Media  Christopher Neundorf
Nach starken Regenfällen in der Nacht zum 14.07.2021 standen grosse Teile von Hagen unter Wasser. Das Erdgeschoss und die Keller des Martha Müller Seniorenzentrum sind überflutet, das Grundstück ist mit Schutt und Geröll bedeckt,
Foto: picture alliance / Kirchner-Media | Christopher Neundorf

Erst stiegen die Pegel der Erft und des Veybaches höher und höher. Dann gingen ganze Häuser in reißenden braunen Fluten unter. Auch viele Einrichtungen der Caritas. Markus Lahrmann von der Caritas NRW holt tief Luft und zählt sie auf: Völlig ruiniert sind in Euskirchen die örtliche Geschäftsstelle, die Tagespflege für Senioren, in Bad Münstereifel die katholische Pflegestation, das Betreute Wohnen für Suchtkranke, ein Jugendzentrum und die Beratungs- und Begegnungsstätte für Flüchtlinge. Alle Gebäude versanken meterhoch in Wasser, Schlamm und Schutt. „Noch ist die Höhe der Schäden nicht zu beziffern“, berichtet Lahrmann.

Er hat noch viele weitere Caritas-Einrichtungen auf dem Zettel, die lahmgelegt sind: etwa die Caritas-Zentrale in Schleiden und die örtliche Sozialstation, der vier Autos weggespült wurden. In Kall am Fluss Kyll sei die Sozialstation komplett zerstört, „Fußboden und Estrich sind weg“, berichtet Lahrmann. Alles Mobiliar, alle Technik, die ganze Einrichtung ist dahin. Auf Twitter schreibt der Verband: „Es steht völlig in den Sternen, wann wir in Kall wieder Beratungen in funktionierenden Büros anbieten können.“

Bislang gebe es keine zentrale Erfassung der Schäden, sagt Lahrmann. „Jeder Diözesan-Caritasverband hat eine Koordinationsstelle für Fluthilfe eingerichtet, die sich um Verteilung von Hilfsgeldern, die über das Spendenkonto der Caritas eingehen, kümmert.“ Erst nach dem großen Aufräumen „wird zu klären sein, was Versicherungen übernehmen. Bis wann die Schäden behoben sein werden, ist noch nicht abzusehen.“

Alle Evakuierten werden in anderen Einrichtungen gut versorgt, „es liegen keine Berichte über Versorgungsnotfälle vor“. Man helfe sich untereinander: „Die Solidarität im Verband ist hoch“, lobt Lahrmann. „Wir werden in den kommenden Tagen Lösungen für die betroffenen Dienste finden, soweit möglich. Die Kommunikation in Euskirchen ist immer noch stark eingeschränkt“, berichtet die Caritas Euskirchen auf Twitter.

Massive Schäden beklagt auch die Diakonie. So muss zum Beispiel das evakuierte Seniorenheim in Hagen vollständig saniert werden. Sabine Damaschke von der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe: „Als Diakonie RWL bieten wir Kirchengemeinden und Sozialberatungsstellen an, pauschal mehrere tausend Euro zu überweisen, damit sie schnell und unbürokratisch betroffenen Menschen helfen können.“ Bis zum Mittwoch waren rund 8,8 Millionen Euro eingegangen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat eine Spendenkampagne speziell für die sozialen Einrichtungen gestartet: „Ohne Hilfe werden die vielen kleinen Vereine die Kosten zum Wiederaufbau nicht stemmen können.“ Es drohe die Gefahr, dass Hilfsangebote eingestellt werden müssten - und damit die Verödung der sozialen Landschaft.

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hofft auf schnelle staatliche Hilfen. Die Träger sozialer Arbeit in den betroffenen Gebieten stünden vor großen Herausforderungen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die soziale Infrastruktur vor Ort erhalten bleibt“, sagt Jens M. Schubert, Vorstandsvorsitzender des AWO Bundesverbandes. Das werde viel Geld kosten, weil neue Räumlichkeiten angemietet, lange Routen für die ambulante Versorgung gefahren oder die eigenen Helferinnen und Helfer psychologisch unterstützt werden müssten.


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