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31. Mai 2021 | Demenz

Menschen mit Demenz brauchen solidarische Gesellschaft

Der Freiburger Sozialexperte Thomas Klie macht sich für ein menschenwürdiges Umfeld für Menschen mit Demenz stark. Weil es „keine Pille gegen Demenz“ gebe, sollte es wenigstens ein gutes Leben mit der Krankheit geben können, sagt der Jurist und Gerontologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dazu brauche es eine empathische und solidarische Gesellschaft. In Deutschland leben etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz.

Pflegerechtler Prof. Dr. Thomas Klie
„Die Würde des Menschen ist nicht an seine Leistungsfähigkeit gebunden“, betont Thomas Klie, Professor für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg, mit Blick auf das Grundgesetz.
Foto: Jan Deichner

Wie Demenzpatienten letztlich leben sollen - dazu brauche es einen breiten gesellschaftlichen Diskurs, mahnt Klie, der kürzlich das Buch „Recht auf Demenz“ - erschienen im Stuttgarter Hirzel Verlag - veröffentlicht hat. Er hat dabei zwei Szenarien vor Augen: Entweder entwickle sich die Gesellschaft zu einer „wärmenden“ und einer sich kümmernden Gemeinschaft, einer Caring Community, oder zu einer „radikalisierten Leistungsgesellschaft“, bei der die wirtschaftlichen Faktoren wichtiger seien als die Moral.

Klie hofft, dass das erste Szenario Realität wird, denn: „Die Würde des Menschen ist nicht an seine Leistungsfähigkeit gebunden“, betont der Professor für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg mit Blick auf das Grundgesetz. Daher habe jeder Anspruch darauf, als Teil der Gesellschaft gut versorgt zu sein.

Zugleich warnt Klie davor, Demenzkranke zu bevormunden. Denn es gebe ein Spannungsverhältnis zwischen Fürsorge und Selbstbestimmtheit. Wenn Schutzbedürftigkeit das maßgebliche Kriterium werde, richte sich das letztlich gegen die Betroffenen, merkt Klie an. Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen in Pflegeheimen etwa seien ein absolut schmerzhafter und aus seiner Sicht rechtswidriger Eingriff in die Grundrechte von Seniorinnen und Senioren gewesen.

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