Created with Sketch.

23. Mrz 2021 | News

Forscher entwickeln Roboterarme für die Pflege

Roboterarme könnten pflegebedürftige Menschen aus Sicht von Wissenschaftlern mehr Selbstständigkeit ermöglichen und Pflegende entlasten. Derzeit entwickeln Forscher aus Bremen, Oldenburg und Osnabrück gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe, Robotiksysteme für Pflegebetten, wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen mitteilte. Das Bundesforschungsministerium fördert das dreijährige Projekt mit dem Namen Adamekor mit rund 1,8 Millionen Euro.

Roboterarm_Sina Schuldt dpa_web
Serge Autexier, vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, sitzt neben einem Roboterarm mithilfe dessen Patienten mit körperlichen Beeinträchtigungen eigenständiger agieren können.
Foto: dpa/Sina Schult
 

Die Wissenschaftler nutzen zwei bereits entwickelte Roboterarme und wollen herausfinden, wie sie in der Pflege sinnvoll eingesetzt werden können. Die Bremer Forscher konzentrieren sich dabei auf einen als Medizinprodukt zugelassenen Roboterarm, der als eine Art dritte Hand verwendet werden kann. Das Gerät mit drei "Fingern" wird auf einem Beistelltisch installiert und kann vom Bett aus etwa über einen Joystick gesteuert werden. So können sich Patientinnen und Patienten Getränke eingießen oder Dinge vom Nachttisch holen. Ziel der Wissenschaftler ist es, die Steuerung des Arms so zu verfeinern, dass er für Pflegebedürftige einfach bedienbar ist.

Auch beim Umsetzen von Menschen etwa vom Bett in den Rollstuhl könnten robotische Systeme helfen. Dafür arbeiten die Forscher der Uni Oldenburg an einem zweiten Roboterarm, der das Pflegepersonal etwa bei körperlich herausfordernden Umlagerungen entlasten soll. Dieser Arm ist für die Zusammenarbeit mit Menschen zugelassen.

Roboterarme, wie sie in dem Projekt benutzt werden, gibt es den Forschern zufolge bislang nicht in der Pflege, sondern vor allem in der Industrie. Das schlage sich im Design und in der Steuerung nieder, sagte Serge Autexier vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen. Neben den technischen Herausforderungen sehen die Wissenschaftler weitere Hürden. "Die Technik-Akzeptanz ist ein ganz großes Feld, ein ganz großes Problem", sagte Daniel Dorniok von der Universität Oldenburg. "Es bringt nichts, wenn wir technisch etwas erfinden, was auch gut funktioniert, aber niemand es einsetzt, weil die Akzeptanz fehlt." Um herauszufinden, wie Robotersysteme für die Pflege gestaltet sein müssten, befragen die Wissenschaftler Pflegekräfte und Gepflegte. Da die Roboterarme auf viele Menschen abschreckend wirken, brauche es viel Information und Anleitung. Im Labor funktionierten die Systeme gut. Aufgabe des Projektes sei es herauszufinden, wie es in der Praxis funktionieren könnte.

 17.000 Euro für einen kleinen Roboterarm - noch

Zum Abschluss des Projektes im Jahr 2023 wollen die Wissenschaftler einen Demonstrator aufbauen, der zeigt, wie robotische Systeme mit künstlicher Intelligenz in der Pflege eingesetzt werden könnten. Dass bald an jedem Pflegebett Roboterarme stehen, ist mit Blick auf die Preise unrealistisch. Den Forschern zufolge kostet der kleine Roboterarm mindestens 17 000 Euro, der große je nach Ausstattung zwischen 25 000 und 50 000 Euro. Aber: "Die Preise, die wir jetzt im Forschungskontext für dieses Thema aufrufen, die sind absolut nicht vergleichbar mit den Preisen, die dann irgendwann am Markt sind", so Wissenschaftler Niels Will.

Digitale Transformation in der Pflege

Bücher

Digitale Transformation in der Pflege

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel - zwei Einflussfaktoren, die die Altenhilfe vor ganz besondere Herausforderungen stellen. Immer häufiger scheinen Pflege 4.0 oder die Robotik Lösungsansätze zu bieten. Doch welche Innovationen und digitalen Tools entlasten Pflegekräfte und erhöhen die Lebensqualität der Pflegebedürftigen? Und woher kommen und wie gelangen solche Innovationen in die Praxis? Dieses Buch stellt zehn ausgesuchte Gründer vor. Es beschreibt die Geschäftsideen der Start-ups, zeigt den Nutzen auf und informiert über die Entwicklung des Geschäftsfeldes. Ziel des Buches ist es, Start-ups und Betreiber, Projektentwickler oder Investoren zusammenzubringen. Damit Innovationen wie zum Beispiel der Careturner bald häufiger beim Verlagern bettlägeriger Patienten unterstützen. Verschaffen Sie sich einen konzentrierten Überblick zu diesem spannenden Thema.

Das könnte Sie auch interessieren!

0 Kommentare

Sie sind aktuell nicht eingeloggt.

Um einen Kommentar zu verfassen, melden Sie ich bitte an.

Login
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Ok