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05. Feb 2021 | News

Münchenstift wehrt sich gegen Triage-Vorwurf

Siegfried Benker ist nicht nur Geschäftsführer der Münchenstift, sondern auch Gründungsmitglied der Grünen in München und seither (1982) Mitglied dieser Partei. In einem offenen Brief kritisiert er scharf die Unterstellung einer Grünen-Bundestagsabgeordneten zu einer angeblich stillen Triage in Altenheimen und wehrt sich gegen die Verunglimpfung der Altenpflege.

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Ärgert sich sehr über die Unterstellung, dass in Altenheimen eine "stille" Triage vorgenommen werde: Siegfried Benker, Geschäftsführer der Münchenstift.
Foto: Kerstin Groh

Grünen-Politikerin Corinna Rüffer (MdB) hatte gegenüber dem RND und dem Magazin Fakt behauptet, Heimbewohner würden dazu gedrängt, auf eine Behandlung im Krankenhaus bei einer Corona-Infektion zu verzichten, um keine Intensivplätze für Jüngere zu belegen.

Benker nennt die Behauptung eine „Unterstellung“: „Deine (Rüffers, Anm. der Redaktion) Aussage ist eine Zumutung für alle, die im letzten Jahr Pflege überhaupt noch aufrechterhalten haben. Es ist beleidigend, dass Pflegekräften, die im Frühjahr noch zu systemrelevanten Helden der Nation erklärt wurden, nunmehr unterstellt wird, sie würden Pflegebedürftigen die Hilfe verwehren und sterben lassen. Keine Pflegekraft kommt trotz höchster Ansteckungsgefahr jeden Tag in die Arbeit, um hier Triagen durchzuführen.“

Benker leitet seit 2013 die Münchenstift GmbH. Die Frage nach dem Sterbeort der Bewohner*innen beschäftige ihn seitdem. „Als ich begonnen habe, sind knapp 70 Prozent der Bewohner*innen in unseren Häusern verstorben, knapp 30% in Kliniken. Eines der Qualitätsmerkmale war und ist für mich, dass die Menschen eben nicht im letztem Augenblick noch ins Krankenhaus gefahren werden, um dann im Notarztwagen oder in der Notaufnahme zu sterben.“

Auch in Häusern der Münchenstift gab es Corona-Fälle. Viele Bewohner*innen hätten deutlich gemacht: Wenn ich erkranke, will ich auf keinen Fall mehr beatmet werden. Benker: „Die Entscheidung trifft immer (!) der/die Bewohner*in.“ Und wenn es keine Regelung gibt, weil vorab keine getroffne wurde, treffe sie nie das Pflegepersonal. Benker: „Die Frage, ob jemand (wenn es keine Regelungen gibt) ins Krankenhaus kommt, trifft immer der dann hinzukommende Notarzt oder Hausarzt – und kein Notarzt wird einen Bewohner*in „still triagieren“.

Ihn mache es traurig zu sehen, "dass sich Grüne MdBs dazu hergeben, Fake-News zu bedienen und neue Verschwörungstheorien zu befeuern" und wie schnell "die Helden des Frühjahrs" von Rüffers "zu den Vollstreckern einer kaltblütigen Triage erklärt werden".
 

 

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