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30. Nov 2021 | News

Report: Pflegeheime unter wachsendem Kostendruck

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime verschlechtert sich laut einer Erhebung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen seit Jahren stetig. Die Situation sei angespannt, erklärte der RWI-Pflegeexperte Ingo Kolodziej am Montag in Essen zur Veröffentlichung des „Pflegeheim Rating Reports 2022“. Grund für die kontinuierliche Verschlechterung seit 2016 sei der zunehmende Kostendruck der Heime.

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Um durch höhere Kosten, etwa durch höhere Löhne, nicht die Insolvenzgefahr für Pflegeanbieter zu erhöhen, werden die Preise für Pflegeleistungen steigen müssen, prognostiziert der Pflege-Report.
Foto: Jeanette Dietl_AdobeStock

Im Jahr 2019 befanden sich der Erhebung zufolge rund 20 Prozent der Einrichtungen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 38 Prozent im „grünen Bereich“ mit geringer Insolvenzgefahr und 42 Prozent dazwischen im „gelben Bereich“. Verschlechtert habe sich auch die Ertragslage: Schrieben 2016 rund zehn Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust, waren es im Jahr 2019 bereits 26,5 Prozent.

Gegenüber anderen Teilbereichen des Gesundheitsmarkts ist der Pflegemarkt den Angaben nach am stärksten gewachsen. Sein Anteil am gesamten Gesundheitsmarkt sei zwischen 1997 und 2019 von 9,8 Prozent auf 14,7 Prozent gestiegen. Damit rangiere die Pflege aktuell an zweiter Stelle hinter den Krankenhäusern. Hauptgrund für das Wachstum des Pflegemarkts sei die Alterung der Gesellschaft, hieß es. So sei bei konstanten Pflegequoten bis zum Jahr 2030 in Deutschland mit 4,9 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen, bis 2040 gar mit 5,6 Millionen. Das wäre gegenüber 2019 ein Anstieg um 20 beziehungsweise 35 Prozent.

Der Anteil ambulant versorgter Pflegebedürftiger ist demnach zwischen 1999 und 2019 von 20,6 auf 25,4 Prozent gestiegen. Auch der Trend zur Privatisierung hält der Erhebung zufolge weiter an. Wurden im Jahr 1999 noch 25,4 Prozent der Pflegebedürftigen in einer privaten Einrichtung versorgt, waren es im Jahr 2019 bereits 39,5 Prozent. In ambulanten Diensten stieg der Anteil zwischen 1999 und 2019 von 35,6 auf 52,3 Prozent.

Im Pflegebereich herrscht zudem weiterhin Personalknappheit. In der ambulanten und stationären Pflege waren dem Report zufolge im Jahr 2019 insgesamt 866.000 Vollkräfte beschäftigt, davon 339.000 Pflegefachkräfte. Zwar seien zwischen 1999 und 2019 zusätzlich 395.000 Vollzeitkräfte hinzugekommen, wie die Autoren vorrechnen. Bis 2040 sei jedoch von einem Bedarf an insgesamt 163.000 bis 380.000 zusätzlichen Vollzeitkräften in der stationären und 97 000 bis 183 000 Kräften in der ambulanten Pflege auszugehen.

Um durch höhere Kosten, etwa durch höhere Löhne, nicht die Insolvenzgefahr für Pflegeanbieter zu erhöhen, werden die Preise für Pflegeleistungen und damit die Belastung der Pflegebedürftigen steigen müssen, prognostiziert der Pflege-Report. Inwieweit die Beitragszahler jedoch noch weiter belastet werden könnten, hänge von der gesamten Abgabenlast mit Steuern und Sozialabgaben ab.

Neben Personal werde zudem mehr Kapital, auch privates Kapital, benötigt, betonen die Autoren des Reports. Die Politik sollte die Regulierungsdichte reduzieren und die unternehmerische Handlungsfreiheit ausweite, lautet ein Vorschlag. Wichtig sei, dass es ein ausreichend großes Angebot an Einrichtungen gebe, die miteinander in einem Preis- und Qualitätswettbewerb stehen.

Datengrundlage des „Pflegeheim Rating Reports 2022“ sind 427 Jahresabschlüsse aus den Jahren 2014 bis 2019. Sie umfassen insgesamt 2.113 Pflegeheime bzw. rund 14 Prozent des Marktes. Der Report wird gemeinsam vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Evangelischen Bank eG und der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH erstellt.

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