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Gewalt gegen Pflegekräfte in der Altenhilfe

Aggressionen und Übergriffe kommen oft vor

19.03.2019
Viele Pflegekräfte haben in ihrem Beruf schon Gewalt erlebt, einige werden selbst zum Täter. Foto: Adobe Stock/ IIan Amith

Viele Pflegekräfte haben in ihrem Beruf schon Gewalt erlebt, einige werden selbst zum Täter. Foto: Adobe Stock/ IIan Amith

Übergriffe, Aggressionen und Gewalt gegen Pflegekräfte in der Altenhilfe kommen nach Aussage der Gesundheitswissenschaftlerin Beate Blättner oft vor, werden aber selten thematisiert.

"Unseren Forschungen zufolge erlebten in den vergangenen zwölf Monaten 89 bis 94 Prozent der Pflege- und Betreuungskräfte in der stationären Pflege solche Angriffe", sagte die Professorin des Fachbereichs Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie leitet das Forschungsprojekt "PEKo - Partizipative Entwicklung von Konzepten zur Prävention von Gewalt in der stationären Pflege", das von Juli 2018 bis Juni 2020 läuft.

Pflegekräfte können aber sowohl Täter wie Opfer sein, so Blättner: "Täter sind sie manchmal, weil sie sich in den Anforderungen ihres Berufsalltages nicht anders zu helfen wissen und nicht zwingend, weil sie alten Menschen schaden wollen." Als Opfer erlebten sie oft Angriffe, weil sich pflegebedürftige Menschen gegen Dinge wehrten, die sie nicht wollten oder nicht verstünden. "Pflegekräfte selbst bagatellisieren teilweise diese Erfahrungen mit dem Argument, es sei ja keine Absicht gewesen." Entsprechend werde tatsächlich wohl immer noch zu wenig darüber gesprochen, vor allem zu wenig präventiv gehandelt, so die Gesundheitswissenschaftlerin.

Bei den Übergriffen handele es sich häufig um das Gefühl, herumkommandiert zu werden, aber auch um Anschreien, Beschimpfungen und Beleidigungen, Beschuldigungen, Einschüchterungen und Bedrohungen, erläuterte die Wissenschaftlerin. "Auch Spucken, Kratzen, Kneifen sind nicht selten." Es werde überdies geschlagen oder getreten, manchmal mit der Faust oder einem anderen Gegenstand gedroht. Deutlich seltener würden Pflegekräfte grob angefasst, geschubst, beworfen, absichtlich mit Rollstuhl oder Rollator gerammt oder an den Haaren gezogen - "es kommt aber auch vor". "Mehr als vier von zehn Pflegekräften wurden mit einer sexuellen Äußerung oder Handlung konfrontiert", ergänzte die Professorin. Die Gewalt habe Folgen: "Pflegekräfte werden unsicher, neigen eher zu Unfällen, werden selbst leichter gewalttätig oder auf die Dauer einfach unzufrieden mit ihrem Beruf."

In hessischen Einrichtungen der Altenpflege beispielsweise seien mittlerweile Gewaltschutzkonzepte Vorschrift. "Aber dummerweise ist Papier geduldig und solche Konzepte sind längst nicht überall gelebte Praxis." Wichtig sei es, Strategien gemeinsam mit Pflege- und Betreuungskonzepten zu entwickeln. Arbeitsbedingungen, vor allem der Zeitdruck durch Personalmangel, müssten als mögliche Ursache ins Visier genommen werden. Präventiv könnten Maßnahmen wie gleichgeschlechtliche Pflege, also die Pflege durch Personen des gleichen Geschlechts, Pflege durch zwei Personen, die das Zimmer gleichzeitig betreten, oder Deeskalationstrainings für Pflegekräfte weiterhelfen, so die Handlungsempfehlung der Wissenschaftlerin.

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