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Niedersachsen

Ministerpräsident Weil besucht Hanns-Lilje-Heim

14.07.2020
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich persönlich ein Bild davon gemacht, wie es Bewohnern und Mitarbeitern im Hanns-Lilje-Haus inzwischen geht. Foto: Henning Scheffen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich persönlich ein Bild davon gemacht, wie es Bewohnern und Mitarbeitern im Hanns-Lilje-Haus inzwischen geht. Foto: Henning Scheffen

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am 13. Juli das von der Diakonie betriebene Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim besucht, das wegen eines massiven Corona-Ausbruchs und einer Vielzahl von Todesfällen in die Schlagzeilen geraten war.

Der Ministerpräsident informierte sich über die aktuelle Lage sowie Besuchs- und Hygienekonzepte in dem Heim für demenziell erkrankte Menschen. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Stadt, der Heimleitung, der Qualitätsbeauftragten und dem Pflegeteam betonte Weil, dass ihn der selbstlose Einsatz der Mitarbeiter mit "Hochachtung und Respekt" erfülle.

"Das sind absolute Extrembedingungen, unter denen hier gearbeitet werden musste, und schlimme Erfahrungen, die die Menschen gemacht haben. Umso mehr beeindruckt mich die großartige Arbeit, die hier weit über das zumutbare Maß hinaus geleistet wurde", sagte Weil und verwies auf eine moralische Zwickmühle, für die es zurzeit keine Lösung gebe. Gerade Demenzkranke bräuchten Berührung und Körperkontakt. "Unter den vielen schwierigen Entscheidungen ist das die vielleicht schwierigste, diese Berührung und Nähe in der letzten Lebensphase nicht ausreichend geben zu können", sagte der Ministerpräsident.

Heimleiter Torsten Juch sagte, das Team habe das Infektionsgeschehen im Hanns-Lilje-Haus nur mit strengsten Hygieneregeln in den Griff bekommen. Dazu zählten unter anderem ein strikter Aufnahme- und Besuchsstopp, das penible Einhalten aller Hygiene- und Abstandsregeln sowie zahlreiche Covid-19-Tests. Auch heute werde jede Pflegekraft, die aus dem Urlaub kommt, auf das Coronavirus getestet. "Wir sind wirklich sehr sensibel geworden", betonte der Heimleiter. "Unser aller Leben hat sich durch die Geschehnisse verändert."

In der Einrichtung mit insgesamt 165 Plätzen hatten sich zwischen Mitte März und April die meisten der oft hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Erreger angesteckt. Infizierte und nichtinfizierte Bewohner wurden daraufhin nach Etagen strikt voneinander getrennt. Zwischenzeitlich litten 111 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einer Covid-19-Infektion. 45 Bewohnerinnen und Bewohner sind infolge der Infektion im Heim gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt sogar aufgrund von 48 Todesfällen, weil sie auch Fälle einbezieht, in denen Bewohner im Krankenhaus und nicht im Heim starben.

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