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Klimawandel: Deutschland auf Hitzewellen nicht vorbereitet

Tipps für Heimleitungen bei Corona und Hitze

10.08.2020
Längere Hitzewellen belasten ältere Menschen und Bewohner von Pflegeheimen sehr. Auch das Personal, das bei großer Hitze teilweise in Schutzausrüstung arbeiten muss, ist stark belastet. Foto: Susanne El-Nawab

Längere Hitzewellen belasten ältere Menschen und Bewohner von Pflegeheimen sehr. Auch das Personal, das bei großer Hitze teilweise in Schutzausrüstung arbeiten muss, ist stark belastet. Foto: Susanne El-Nawab

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die "Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen" und das Aktionsbündnis "Health for Future" kritisieren den mangelnden Hitzeschutz. Sie verweisen auch auf ein neues Informationsangebot für Heimleitungen zum Gesundheitsschutz bei Hitzewellen während der Covid-19 Pandemie. 

Der Klimawandel gefährde Menschenleben, so die Kritik. Hitzewellen wie in diesen Tagen seien nicht bloß sommerliches "Rekordwetter", sondern sie werden, angetrieben durch den Klimawandel, zunehmend zur Bedrohung von Gesundheit und Leben. Regional würden dabei bis zu rund 60 Prozent der Bevölkerung kritischen Grenzwerten ausgesetzt, dies zeige sich zum Beispiel in einer eine Analyse für die Stadt Köln. Gefährdet seien vor allem chronisch Kranke, Kleinkinder, alleinstehende und ältere Menschen. Doch obwohl das Umweltbundesamt schon 2014 Handlungsbedarf angemeldet hat und die Bundesregierung 2017 die Länder aufforderte, Hitzeaktionspläne aufzustellen, passiere so gut wie nichts, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.
 
"Deutschland ist für Hitzewellen nicht gerüstet!" kritisiert Dr. med. Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), einem bundesweiten Zusammenschluss von Ärzten, Pflegeberufen und weiteren im Gesundheitssektor Beschäftigten. "Es gibt kein für alle verbindliches Alarmsystem, keine Identifizierung von Gefahrenzonen und Risikogruppen, keine Hitzeleitstellen, keine Kühlzonen und keine Fortbildung für Niedergelassene, Krankenhaus- und Pflegeheim-Angestellte, mit ganz wenigen Ausnahmen."
 
Die Folgen sind gravierend: "Während Hitzewellen sterben acht bis zwölf Prozent mehr Menschen", betont KLUG-Mitglied Ralph Krolewski, Vorstand im Hausärzteverband Nordrhein, der für seine Patienten eine eigene Klimasprechstunde eingerichtet hat. "Dass man viele der Hitzetoten verhindern kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Dort lösen Temperaturen ab 32 Grad schon die erste Alarmstufe in Kommunen und Gesundheitswesen aus, ab 38 Grad wird der Zivilschutz aktiv. Die einzelnen Präfekturen reagieren dann auf der Basis eines nationalen Hitzeschutzplanes. Warum geht das nicht in Deutschland?"
 
Im Nachbarland Frankreich seien Städte und Regionen auch verbindlich an den nationalen Wetterdienst angeschlossen – im Gegensatz zu Deutschland. So gebe es zwar hierzulande seit 2005 ein bundesweites Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Kanälen zu Alten-und Pflegeeinrichtungen, Landesministerien oder zuständigen Gesundheits- und Aufsichtsbehörden. "In der Praxis funktioniert es aber nur eingeschränkt und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Hitzewarnungen sollten bei allen Betroffenen, Pflegenden und Multiplikatoren ankommen. Alle Informationskanäle, wie Newsletter oder auch Teletext sollten genutzt werden. Hitze betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern alle", so Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes.
 
Analysen zeigten viele regionale Schwachstellen. Es fehle an Aufklärung und es gebe auch nur selten Gebäudeanpassungen in Kliniken, Heimen und Arztpraxen – wie Thermoschutz, Begrünung oder Trinkwasserspender. Hitzestress führt nicht nur zu Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. UV-Strahlung und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen führen unter anderem auch zu Muskelkrämpfen in Armen oder Beinen, Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und erhöhtem Puls. Betroffenen sind vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke. Damit überschneiden sich die Risikogruppen der Wellen von Hitze und Corona-Infektionen – eine zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem. Experten vom Helmholtz Zentrum München, dem Universitätsklinikum Heidelberg und KLUG haben Informationsmaterialien für diese besondere Herausforderung zusammengestellt : allgemeine Hinweise für besonders betroffene Bevölkerungsgruppen, für Ärzte, für Pflegeheime und für medizinisches Personal, das bei großer Hitze in Schutzausrüstung arbeiten muss (www.hitze2020.de). Die gemeinsame Pressemitteilung weist auch auf ein Informationsangebot für Pflegeheimleitungen zum Gesundheitsschutz Ihrer Bewohner in Hitzewellen während der Covid-19 Pandemie hin.

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