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Ein Haus - viele Hilfen

01.10.2007

Vor einem Jahr startete die Diakonie Neuendettelsau für Menschen mit Demenz ein Komplettangebot - von ambulant bis stationär. Eine Erfolgsgeschichte. Jetzt sind weitere Häuser in München undBamberg geplant. Von Andrea Lutz. Demenziell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen brauchen erreichbare Angebote, die in ihrer Gesamtheit auf die besondere Lebenssituation der Familien eingehen. Dazu gehört Beratung ebenso wie Diagnostik und Therapie, außerdem angemessene Betreuungs- und Wohnformen sowie entlastende Angebote für die Angehörigen. "Mit dem Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz wird eine Versorgungskette aufgebaut, die Beratung ebenso umfasst wie ein medizinisches, neuropsychologisches, soziales und pflegerisches Assessment, ein multidisziplinäres Therapieangebot sowie eine stationäre, bewohnerorientierte Versorgung in Wohngemeinschaften. Die Betroffenen können ohne lange Wege verschiedene Dienstleistungen unter einem Dach konsultieren", erklärt Rektor Hermann Schoenauer, Leiter der Diakonie Neuendettelsau, den Ansatz des Kompetenzzentrums. Die Diakonie Neuendettelsau schafft in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg, der Angehörigenberatung Nürnberg e. V., dem Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg und der Alzheimergesellschaft Landesverband Bayern e. V. mit dem Kompetenzzentrum eine breite Angebotspalette für die betroffenen Menschen. Das Zentrum vernetzt dabei vorhandene Kompetenzen. Inzwischen werden weitere Häuser nach diesem Konzept in München und Bamberg geplant. In dem Nürnberger Pilotprojekt werden Therapieformen, die ambulante, teilstationäre und stationäre Betreuung einschließen, angeboten. Zwölf Plätze in der Tagespflege, 23 Plätze in der Kurzzeitpflege und je zwölf Wohnplätze in sechs Hausgemeinschaften stehen bereit. Der stationäre Bereich ist zum Teil offen, zum Teil geschlossen (beschützende Betreuung). Die Wohn- und Pflegegebäude zeichnen sich durch Wohnlichkeit, verschiedenartige Struktur und starken Außenbezug aus. Die zwölf Tagespflegeplätze sind in die stationäre Versorgung eingestreut. "Das wird sehr gut angenommen. Der Grundgedanke ist, pro Wohngruppe einen zusätzlichen Platz für einen Tagespflegegast anzubieten. Wir gehen hier einen nahezu vollkommen neuen Weg, der mehrere Vorteile bietet", so Wolfgang Brockhaus, Einrichtungsleiter des Kompetenzzentrums für Menschen mit Demenz. Zum einen wird eine hohe Flexibilität erreicht: Die Inanspruchnahme ist täglich von 0-24 Uhr möglich. Außerdem kann der Bewohner seinen Bedürfnissen entsprechend einer Gruppe zugeordnet werden und findet stabile Situationen vor. Für Angehörige ist ein Herantasten an die Institution Heim auf niederschwelliger Ebene möglich. Das gilt auch für die Mieter der 80 Ein- bis Dreizimmerwohnungen des Betreuten Wohnens: Der Gebäudekomplex liegt nur 50 Meter vom Kompetenzzentrum entfernt. Die Mieter können bei Bedarf bevorzugt pflegerische Angebote der Diakonie beanspruchen, etwa wenn ein Ehepartner demenziell erkrankt und eine Betreuung benötigt, die der Angehörige nicht leisten kann. Das Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz versteht sich als ein offenes Haus, in dem eine aktive Seniorenkultur gefördert wird. Mit dem Tilly-Center schließt sich an den Wohnbereich ein Geschäftsgebäude an, in dem Apotheken, Arztpraxen, eine Bäckerei und eine Bankfiliale Räume mieten. Und mit dem "Forum Altern und Demenz" wurde eine Veranstaltungsserie unter dem Dach des Kompetenzzentrums etabliert, bei der Referenten aus Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft das Thema Demenz betrachten. Die gezielte Öffentlichkeitsarbeit, das Arbeiten in den Stadtteil hinein, hat positive finanzielle Effekte. Denn die Diakonie Neuendettelsau hat für das 15 Millionen Euro teure Projekt keine staatlichen Zuschüsse bekommen. Dafür engagiert sich die Bevölkerung: Bislang wurde eine Million Euro gespendet. Für eine Unterstützung des Hauses plädieren unter anderem die bayrische Sozialministerin Christa Stewens, Landesbischof Johannes Friedrich und Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly. Viele Menschen geben bereitwillig Möbelspenden, eine Gärtnerin engagiert sich ehrenamtlich bei der Pflege der Grünflächen. Die Pflegesätze des stationären Bereichs im Kompetenzzentrum Demenz liegen im Vergleich zu "normalen" Pflegeeinrichtungen im Großraum Nürnberg im oberen Segment. Vergleicht man das Haus mit anderen beschützenden Einrichtungen, was den Angeboten eher entspricht, befinden sich die Pflegesätze im mittleren Marktsegment. Der stationäre Bereich arbeitet mit einem Personalschlüssel von 2,2 Bewohnern auf einen Mitarbeiter. Der Personalschlüssel gilt aufgrund der gerontopsychiatrischen Ausrichtung der gesamten Einrichtung sowohl für den offenen als auch für den geschlossenen Bereich. "Das hat den Vorteil, dass, wenn Bewohner, die aufgrund der guten milieutherapeutischen Betreuung von dem geschlossenen in den offenen Bereich umziehen können, der Träger für diese Erfolge nicht finanziell bestraft wird", erklärt Wolfgang Brockhaus. Der übliche Personalschlüssel bewegt sich in Bayern für "normale", pflegerisch-somatisch ausgerichtete Pflegeeinrichtungen zwischen 1 : 2,4 bis zu 1 : 2,56. Die finanzielle Situation haben die Verantwortlichen des Kompetenzzentrums Demenz immer im Blick. So müssen Tagespflegeeinrichtungen bekanntlich mit relativ niedrigen Pflegesätzen auskommen. In Nürnberg erfolgt der Personaleinsatz für die Tagespflege aus dem stationären Stellenplan heraus. Auch die verantwortliche Pflegefachkraft wird übergreifend eingesetzt. So werden Synergien genutzt. Das ist möglich, weil der Träger für die Tagespflege, die Kurzzeitpflege und für den offenen sowie geschlossenen (beschützenden) stationären Bereich einen Integrierten Versorgungsvertrag aushandeln konnte. "So können die Pflegekräfte flexibel eingesetzt werden, es muss kein separates Personal etwa für eine separate Tagespflege vorgehalten werden, wenn diese einmal nicht voll auselastet ist", erklärt Einrichtungsleiter Wolfgang Brockhaus die Vorteile der Integrierten Versorgung. Auch eigene Räumlichkeiten für eine separate Tagespflege können so gespart werden - ohne dass das negative Auswirkungen auf die Betreuungsqualität hätte. Im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz wird die Förderung von kognitiver und körperlicher Aktivität groß geschrieben. Dies wird beispielsweise über biografisches Arbeiten gestützt. Vorlesen und Gedächtnisspiele oder gemeinsam über Bilder ins Gespräch kommen sowie Singen von Liedern mit Instrumental-CDs - all das regt die Sinne an, fördert Aktivität. Auch eine Sitzkreisrunde mit Gymnastik und Softballübungen trägt dazu bei. Zudem werden die Bewohner in die Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten, in kleinere Putz- und Wäschearbeiten und in die Gartenarbeit und Pflanzenpflege auf den Loggien eingebunden. Auch auf den geänderten Tag- und Nachtrhythmus bei Demenzkranken wird eingegangen. So kann es durchaus vorkommen, dass eine Pflegekraft mit einer unruhigen Bewohnerin auf deren Anregung hin nachts in der Wohngemeinschaftsküche Kompott kocht. Spaziergänge im Garten und feste Rituale wie Gebete, Morgenbegrüßungen oder auch die Sterbebegleitung schaffen Alltag, geben Geborgenheit und das Gefühl der Zugehörigkeit. Beim gemeinsamen Feiern von Festen, beim Tanzen und beim Singen im geschützten Rahmen des Kompetenzzentrums spüren die Erkrankten und ihre Angehörigen eine lange vermisste Leichtigkeit. Die Angehörigen spielen in den Wohngemeinschaften eine zentrale Rolle. Sie können in die Tagesaktivitäten einbezogen werden: Die Wohngemeinschaften streben eine normale, familienähnliche Lebenssituation an. Um ein möglichst normales Ambiente zu schaffen und um den Einzug zu erleichtern, bringen die Bewohner persönliches Mobiliar mit in die Einrichtung. Auf den Zimmern findet man Wurzelmännchen, Nierentische, Handarbeitskörbchen. Im Gemeinschaftsbereich erhalten alte Bauernschränke ebenso ihren Platz wie die Teigmaschinen eines pensionierten Bäckermeisters. Mit dem Mobiliar aus den 50er- und 60er-Jahren wird eine authentischen Lebenswelt für die Bewohner geschaffen. Das Kompetenzzentrum beschäftigt im Rahmen des für geschlossene Bereiche in Bayern üblichen Personalschlüssels von 1 : 2,2 Mitarbeiter/Bewohner sozialpädagogische Kräfte, Heilerziehungspflegehelfer, Sozialbetreuer und Gerontofachkräfte. Aus Geldern der "Stiftung Altenhilfe" finanziert die Diakonie Neuendettelsau zweieinhalb zusätzliche Stellen für die erweiterten Aktivierungsprogramme und Möglichkeiten der therapeutischen Betreuung der Bewohner. Das Themengebiet Gerontopsychiatrie spielt eine bedeutende Rolle in der Qualifizierung aller Mitarbeiter. So nehmen alle an einem Grundseminar über fünfmal zwei Tage teil. In der Betreuung von demenziell erkrankten Menschen sind in den letzten Jahren vielfältige emotional-zentrierte therapeutische Ansätze und Betreuungsformen entstanden. Sie sollen insbesondere psychisches Wohlbefinden fördern und nicht-kognitive Symptome einer Demenz verringern. Da diese nichtmedikamentösen Ansätze weitgehend nicht wissenschaftlich evaluiert sind, sollen sie im Rahmen der Begleitforschung des Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz durch das Institut für Psychogerontologie (IPG) der Universität Erlangen-Nürnberg in ihrer Wirksamkeit überprüft werden. Die wissenschaftliche Begleitung ermöglicht in dieser Form bislang noch nicht vorliegende Erkenntnisse zur Diagnostik und Therapie von Demenzpatienten. Sie ist auf vier Jahre angelegt. ¬ Im Internet finden Sie Informationen unter der Adresse www.diakonieneuendettelsau.de - Beratung, - medizinisches, neuropsychologisches, soziales und pflegerisches Assessment, - Ergo-, Physio- und weitere Therapieangebote, - ambulante Dienste, - Tagespflege, - Kurzzeitpflege, - stationäre Hausgemeinschaften. Andrea Lutz ist Pressesprecherin der Diakonie Neuendettelsau.

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