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Kommunikation mit demenziell veränderten Menschen über die Corona-Krise

Beate Radzey vom Demenz Support Stuttgart gibt Tipps

31.03.2020
Auch in der Corona-Krise ist es sinnvoll, sich an dem zu orientieren, was sich bewährt hat. "Im Kontext der Begleitung von Menschen mit Demenz sind das eine person-zentrierte Grundhaltung, die auf Wertschätzung und Zuwendung basiert sowie individuelle Zugangswege", sagt Beate Radzey. Foto: Demenz Support Stuttgart

Auch in der Corona-Krise ist es sinnvoll, sich an dem zu orientieren, was sich bewährt hat. "Im Kontext der Begleitung von Menschen mit Demenz sind das eine person-zentrierte Grundhaltung, die auf Wertschätzung und Zuwendung basiert sowie individuelle Zugangswege", sagt Beate Radzey. Foto: Demenz Support Stuttgart

In Pflegeeinrichtungen leben viele Menschen, die demenziell verändert sind. Doch wie kommuniziert man mit ihnen über die Corona-Pandemie? Authentisch und ehrlich - sagt Beate Radzey vom Demenz Support Stuttgart.

Wie gelingt es, demenziell veränderten Menschen, die Situation rund um Corona zu erklären, ohne ihnen Angst zu machen oder sie zu überfordern? Geht das überhaupt oder muss man unterscheiden – je nachdem wie ausgeprägt die Demenzerkrankung ist? Oder ist es vielleicht sogar besser, gar nichts zu sagen?
Bevor ich auf die Beantwortung der Frage eingehe, eine generelle Anmerkung vorneweg: Eine Krise, wie wir sie gerade erleben, stellt uns alle vor große Herausforderungen. Vieles verunsichert und wirkt bedrohlich. Daher macht es Sinn, sich wo möglich, an dem zu orientieren, was bewährt ist. Im Kontext der Begleitung von Menschen mit Demenz sind das eine person-zentrierte Grundhaltung, die auf Wertschätzung und Zuwendung basiert sowie individuelle Zugangswege. Wie immer in der Pflege von Menschen mit Demenz gibt es auch im Umgang mit Corona keine einfachen Rezepte, sondern es sind Kreativität und individuelle Lösungen gefragt. Es muss als auch von Person zu Person überlegt werden, welche Art von Informations- und Aufklärungstiefe die richtige ist. Ich denke, die generelle Aussage, dass aktuell eine ansteckende Erkrankung im Umlauf und daher etwas mehr Vorsicht geboten ist, kann Menschen mit Demenz gegenüber gut kommuniziert werden. Schließlich gibt es in Einrichtungen immer wieder Erkrankungen wie z.B. Noroviren, bei denen auch Verhaltensänderungen notwendig sind. Wie immer bilden Authentizität und Ehrlichkeit zentrale Grundlagen des Umgangs.
Um eine Tröpfcheninfektion zu vermeiden, sprechen Pflegekräfte während der Grundpflege in manchen Fällen nicht mehr mit den Bewohnern. Können die Pflegekräfte etwas tun, damit das den zu Pflegenden nicht allzu befremdlich vorkommt?
Vielleicht bietet sich hier sogar die Chance, sich in der bei Menschen mit Demenz oft sehr wichtigen non-verbalen Kommunikation zu üben. Auch wenn ich nicht spreche, kann ich körpersprachlich freundlich zugewandt sein und dabei ein Lächeln im Gesicht haben. Vielleicht ist es auch eine Möglichkeit, während der Grundpflege ein Lied zu summen. Dennoch sollte der Bewohner oder die Bewohnerin von der Pflegekraft darüber informiert werden, dass sie heute nicht so viel redet und auch eine Begründung genannt werden. Wie weitgehend diese ist, muss dann individuell entschieden werden.
Einige demenziell veränderte Menschen, die in stationären Einrichtungen oder Pflege-Wohngemeinschaften leben, haben Hinlauftendenzen, was gerade jetzt noch problematischer ist, wo sie draußen Gefahr laufen, sich anzustecken, aber auch für den Fall, dass sie selbst oder andere Pflegebedürftige, die mit ihnen leben in Quarantäne müssen. Was kann man diesbezüglich tun?
Sich frei innerhalb einer Einrichtung zu bewegen, ist für viele Bewohner und Bewohnerinnen ein wichtiger Faktor für Zufriedenheit. Daher sollte der Bewegungsraum möglichst wenig eingeschränkt werden. Es ist zu überlegen, wie auch bei Einschränkungen genügend Möglichkeiten für Bewegung angeboten werden können. Ideal ist es natürlich, wenn die Einrichtung einen eigenen nur für sie zugänglichen Garten hat. Sind Quarantänemaßnahmen erforderlich, dann müssen Überlegungen getroffen werden, wie auch unter Wahrung von entsprechenden Distanzzonen Bewegung möglich ist.
Gerade demenziell veränderte Menschen verstehen vielleicht nicht, dass sie oft die Hände waschen müssen etc. Wie können Pflegende damit umgehen?
Für die meisten Menschen und da sind Personen mit Demenz keine Ausnahme, gehört es zu den ganz normalen Gewohnheiten nach dem Toilettengang und vor den Mahlzeiten die Hände zu waschen. Bei strikter Einhaltung dieser Regeln ist schon eine recht gute hygienische Grundlage gelegt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der eigentliche Waschvorgang etwas gründlicher als üblicherweise durchgeführt wird. Ansonsten sollte beobachtet werden, ob Personen niesen oder sich die Nase putzen etc., um dann bedarfsbezogen die Hände zu waschen. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, dass die Pflegenden sich zwischendurch die Hände waschen und auf diese Weise beispielgebend dazu motivieren, es nachzutun. Oder man könnte es auch spielerisch aufziehen und aus dem Aufbringen von Desinfektionsmittel ein kleine Art Handmassage entwickeln.
Wie können Pflegende und Betreuer in Einrichtungen, demenziell erkrankte Menschen auffangen, wenn keine Angehörigen mehr zu Besuch kommen dürfen?
Die aktuell geltenden teils gravierenden Besuchseinschränkungen sind sowohl für die Angehörigen als auch für die Menschen mit Demenz nur sehr schwer auszuhalten. Zwischenmenschliche Beziehungen und der Kontakt zu den Angehörigen haben einen großen Einfluss auf die Lebensqualität. Für Menschen mit Demenz, die die aktuelle Situation nicht richtig verstehen können, kann das Fehlen einer sonst üblichen Interaktion mit lieben Menschen äußerst belastend sein und auch ein erhebliches Risiko für die Gesundheit darstellen. Hier ist vor allem der Gesetzgeber dringend gefragt, die Verhältnismäßigkeit der Regulierungen regelmäßig zu überprüfen. Die Einrichtungen sollten versuchen, den Bewohnern und Bewohnerinnen Kontaktmöglichkeiten über Telefon oder Videotelefonie zu ermöglichen. Die Angehörigen sollten die Möglichkeit, haben, zu festen Zeiten anrufen zu können, sodass dies für die Einrichtung auch planbar ist. Die Ermöglichung von Kontakten via Medien sollten in jeder Einrichtung realisiert werden. Es gibt auch schon Einrichtungen, die Briefaktionen gestartet haben oder Kontakte über den Balkon anbieten. Auf diese Weise kann zumindest direkt kommuniziert werden. Auch hier sind Ideenreichtum und Kreativität gefragt, welche natürlich in diesen schwierigen Zeiten auch nicht immer so einfach umgesetzt werden können. Ansonsten ist es wichtig, gewohnte und bewährte Strukturen so weit als möglich aufrechtzuerhalten. Wenn es nicht mehr möglich ist alle geplanten Angebote stattfinden zu lassen, dann sollte darauf geachtet werden, dass wenigstens kleine Highlights im Tagesablauf gestaltet werden. Das heißt der Fokus sollte auf Angeboten liegen, die möglichst viel Freude bereiten wie zum Beispiel Musik. Wer sich mit dem Thema weiter beschäftigen möchte findet wichtige Informationen in einem Positionspapier des BIVA-Pflegeschutzbundes.

Das Interview führte Olga Sophie Ennulat.

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