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Ärzteverband schlägt neue Form von Krankschreibung vor

Beschäftigte sollen stundenweise arbeiten dürfen

04.09.2018
Der Vorschlag des Ärzteverbandes stößt bei der Gewerkschaft Verdi auf wenig Begeisterung. Foto: Adobe Stock/ Stockfotos-MG

Der Vorschlag des Ärzteverbandes stößt bei der Gewerkschaft Verdi auf wenig Begeisterung. Foto: Adobe Stock/ Stockfotos-MG

Der Ärzteverband Marburger Bund hat in Berlin eine neue Form der Krankschreibung vorgeschlagen, bei der Beschäftigte trotz Krankheit stundenweise arbeiten könnten.

Die sogenannte Arbeitsminderungs-Bescheinigung stößt beim Südwest-Ableger der Gewerkschaft Verdi auf Kritik. Durch sie bestehe die Gefahr, dass der Arbeitgeber schon frühzeitig Rückschlüsse auf das Krankheitsbild ziehen könne, sagte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross im Radioprogramm SWR Aktuell.

"Wir haben nach wie vor einige Betriebe, die olympiareife Belegschaften wollen. Da ist der Schutz des Arbeitnehmers wichtiger", sagte Gross. Wenn überhaupt, sollten Arbeitsminderungs-Bescheinigungen nur auf Wunsch des Arbeitnehmers erstellt werden dürfen. Die Entscheidung allein dem Arzt zu überlassen, lehnte Gross ab. "Ich glaube, dass es gut gemeint ist, aber dass Mediziner oft den arbeitsrechtlichen Aspekt, was Arbeitgeber daraus machen können, nicht berücksichtigen."

Der Ärzteverband hatte die neue Form der Bescheinigung vorgeschlagen, um lange komplette Krankschreibungen zu vermeiden. "Viele erkrankte Arbeitnehmer könnten wahrscheinlich schneller genesen und würden weniger lange dem Arbeitsprozess fernbleiben, wenn es nicht nur die Wahl zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit gäbe", sagte der Vorsitzende des Bundes, Rudolf Henke, der Deutschen Presse-Agentur. Ärzte sollten zum Beispiel verordnen können, dass ein Patient am Tag vier oder sechs Stunden Schonung bekommt.

Damit Arbeitnehmer gar nicht erst krank werden, ist laut einer aktuellen Studie eine gute Arbeitsatmosphäre wichtig. Am wichtigsten ist 98,4 Prozent der Befragten, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen, wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mitteilte. Dass dies zutrifft, sagten aber nur 84,4 Prozent. Passten bei Befragten der Wunsch nach sinnerfüllender Tätigkeit und die Wirklichkeit gut zusammen, kamen sie nach eigenem Bekunden auf 9,4 Krankheitsfehltage im vergangenen Jahr. Passte beides nur schlecht zusammen, waren es demnach 19,6 Fehltage.

"Für das Sinnerleben sind den meisten Beschäftigten vor allem persönlich und sozial motivierte Aspekte ihrer Arbeit wichtig", sagte der stellvertretender WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. "Leider stimmen gerade hier Wunsch und Wirklichkeit oft nicht überein."

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