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Verfasst von: Elisabeth Scharfenberg, www.elisabeth-scharfenberg.eu

Zankapfel Pflegekammer

18.01.2019

Das Thema Pflegekammer erhitzt die Gemüter. In wohl kaum einem anderen Bereich ist die Pflege selbst so polarisiert, so zerrissen wie bei der Pflegekammer. Will man eine Pflegekammer, braucht man eine Pflegekammer? Und wem nützt sie eigentlich?

Die Pflege in NRW hat nun mehrheitlich für die Errichtung einer Pflegekammer gestimmt. Und in Niedersachsen läuft eine Online-Petition zur Abschaffung der dortigen Pflegekammer. Da ist viel Energie im Raum. Und da sind viele Emotionen. Auch zwischen den Pflegekammer-Befürwortern und ver.di.

Warum nur schießt sich dieses Thema immer wieder so hoch? Sind es die eigenen Eitelkeiten der Pflegekammern und von ver.di? Irgendwie absurd. Denn beide haben ja ganz unterschiedliche Aufgaben. Auf der Homepage der Pflegekammer Rheinland-Pfalz kann ich dazu lesen: "Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist die erste berufsständische Vertretung für Pflegende in Deutschland. In unseren Gremien arbeiten beruflich Pflegende aus der Praxis, aus der Wissenschaft und aus der Pädagogik zusammen daran, den Pflegeberuf zu einer selbstbewussten und international anerkannten Profession weiter zu entwickeln." Als Mitglied der Landespflegekammer erhalten die Pflegenden in Rheinland-Pfalz – und auch bei anderen Pflegekammern - außerdem direkte Unterstützung und Beratung bei pflegefachlichen und berufsrechtlichen Fragestellungen. Es geht auch um Berufsordnung, um Fort- und Weiterbildung. Aufgaben, die mit einer Gewerkschaft wie ver.di rein gar nichts zu tun haben. Hier spielen Tarifverträge, gerechte Bezahlung, Arbeitsbedingungen eine Rolle. In der Summe alles Dinge, die die Pflege dringend braucht.

Der große Unterschied ist allerdings die Form der Mitgliedschaft. Bei ver.di wird man freiwillig Mitglied – oder eben nicht. Dieses "oder eben nicht" nimmt der Großteil der in der Pflege Tätigen für sich in Anspruch. Gefragt, warum man kein ver.di-Mitglied sei, kommt oft die Antwort: "Wie soll ich mir das leisten bei meinem geringen Lohn?" Bei den Pflegekammern wird man nicht gefragt, sondern ist aufgrund seines Berufsabschlusses als Pflegefachkraft automatisch Mitglied. Böse Zungen nennen es "Zwangsmitgliedschaft". Und hier nimmt die Diskussion langsam Fahrt auf. Vielen Pflegekräften ist eine Mitgliedschaft in einer Pflegekammer schlicht zu teuer. Die Gebührenordnung der Pflegekammer Rheinland-Pfalz veranschlagt bei einem Verdienst von Brutto 1.500 bis 2.500 Euro einen Beitrag von rund 100 Euro – jährlich. Das sind 8,50 Euro im Monat. Jetzt stellt sich mir die Frage: Ist diese Investition in die Vertretung des eigenen Berufsstandes und den Einsatz für Verbesserungen der eigenen Arbeitsbedingungen wirklich zu hoch? Dass es in der Pflege viele Probleme zu lösen gibt, ist deutlich. Dass nicht alle von "denen da oben" gelöst werden können, auch. Sollte sich daher nicht jeder Einzelne die Frage stellen: Was bin ich bereit für die Pflege zu tun? Und das kann dann eben auch der Monatsbeitrag für eine Vertretung sein, von der man überzeugt ist.

Ich selbst habe mich nie als Galionsfigur der Pflegekammern gesehen. Ich war und bin der Auffassung, dass die Errichtung einer Pflegekammer von der Pflege selbst entschieden werden muss. Hier sollten sachliche und fachliche Argumente überzeugen. Ideal wäre es, wenn Pflegekammer und ver.di das gleiche Ziel, aber mit ihren Aufgaben und Mitteln, verfolgen. Beide haben übrigens das Problem, dass sich eine gute Vertretung eben nicht für Gottes Lohn organisieren lässt.

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Autor/in

Elisabeth Scharfenberg
www.elisabeth-scharfenberg.eu
Elisabeth Scharfenberg
Pflegeexpertin
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Hier bloggt Elisabeth Scharfenberg.

Elisabeth Scharfenberg ist Pflegeexpertin.

Von 2005 - 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestags.

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