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Verfasst von: Elisabeth Scharfenberg, www.elisabeth-scharfenberg.eu

Wenn die Pflegeheimleiterin sagt: Kommen Sie doch einfach, wann Sie wollen“

19.06.2017

Stellen Sie sich vor, es ist Samstag, Sie freuen sich auf zwei freie Tage mit ihrer Familie, haben Pläne gemacht – und da klingelt das Telefon. Eine Kollegin ist krank, Sie sollen einspringen. Und das, obwohl Sie ohnehin schon wenige freie Wochenenden haben.
Wie fühlt sich das an? Das haben mir Pflegekräfte geschildert, für die das Holen aus dem Frei und die Unberechenbarkeit der Dienstpläne eine große Belastung ist.

Die Belastung ist so groß, dass einige Pflegekräfte ihr Handy an freien Tagen ausschalten oder dem Vorgesetzten die neue Nummer nicht geben. Aber viele gehen auch ans Telefon und übernehmen dann spontan einen  Dienst. Wissend, dass sie gebraucht werden von ihren KollegInnen und den Pflegebedürftigen.
In einem fordernden Schichtbetrieb sind diese Menschen eine Erleichterung für Führungskräfte, die solche Krisen managen müssen. Doch für die Pflegekräfte selbst ist es eine Belastung, keine planbaren Erholungszeiten zu haben, zu viele Schichten oder Tage am Stück zu arbeiten oder keine gemeinsame Familienzeit mehr zu haben. 

Wenn der Dienstplan eine tägliche Krise bedeutet
Pflegerinnen und Pfleger müssen zuhause beinahe täglich Krisen managen. Schon der ganz normale Dienstplan mit seinem Schichtsystem kann zur Belastung werden. Die Arbeitszeiten passen nicht zu einem Alltag mit Kindern oder eigenen pflegebedürftigen Angehörigen. Da sind die Öffnungszeiten der Kita, die nicht zur Frühschicht und nicht zur Spätschicht passen. Da ist der Mangel an Betreuungsangeboten der Schule, die das Leben von arbeitenden Müttern und Vätern schwer machen.  Da ist die demente Mutter, die sich weigert, in die Tagesbetreuung zu gehen. Nicht zuletzt ist der Dienstplan selten verlässlich. Und das alles wird zur täglichen Mammutaufgabe und Hetze im Arbeitsalltag der Pflegekräfte. Es erzeugt Druck und macht unzufrieden, und am Ende des Tages macht es oft krank. Oder bewirkt, dass beispielweise junge Mütter der Pflege den Rücken kehren müssen, weil sich der Beruf nicht mehr mit ihrem Leben vereinbaren lässt.

Es geht auch anders
Kürzlich habe ich mich darüber mit einer Einrichtungsleiterin unterhalten. Ich habe sie gefragt, wie sie diesen Spagat für ihre Pflegekräfte erleichtern kann. Sie meinte, sie sage ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: "Kommen Sie doch einfach, wann Sie wollen!" Ich dachte, ich hätte mich verhört. Kommen, wann man will? Heißt das, alle kommen um 10 Uhr und keiner um 6 Uhr früh? Sie lachte und meinte, das denke jeder, der das hört. Aber es ist nicht so. Alle im Team seien sehr verantwortungsvoll. Bei 430 Mitarbeitern, so erzählte sie mir, hätten sie 60 unterschiedliche Dienstzeiten. Dienstzeiten, die in die unterschiedlichen Lebensmodelle passen. Diese kreativen Dienstpläne werden von den Pflegekräften selbst organisiert. Und das führt zu einer großen Arbeitszufriedenheit.
Eine Alleinerziehende fängt beispielsweise nie früh um 6 Uhr an, denn da hat sie noch mit ihrem Kind zu tun. Anstatt sich bis zur Kita-Öffnungszeit eine Fremdbetreuung organisieren zu müssen und dann doch mit den Gedanken zuhause zu sein, kann diese Pflegerin ab 8.30 Uhr mit freiem Kopf und vollem Einsatz arbeiten. In dieser Einrichtung hat man erkannt: Das Eingehen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung, stärkt die Verbundenheit zum Arbeitgeber und ist für alle sehr effektiv. Insgesamt gibt es viel weniger Krankheitstage, was wiederum zu weniger Holen der anderen aus dem Frei führt.

Selbstverantwortung stärken
Diese Einrichtung leidet nicht unter einem Fachkräftemangel. Sie zeigt, wie wichtig ihr das Wohlergehen ihrer Pflegekräfte ist, dass sie ihnen vertraut und auch etwas zutraut. Nämlich auch die verantwortungsvolle Gestaltung des Dienstplanes und einen selbstbestimmten Arbeitsalltag. Und es entsteht kein Drunter-und-drüber, sondern ein empathisches Miteinander. Tja, die Angst der "Katzen" in der Chefetage - ob in der Pflege oder anderswo -  dass bei zu viel Freiheit und Selbstbestimmung die "Mäuse" quasi auf dem Tisch tanzen, ist oft übertrieben. Selbstorganisation, Abstimmung im Team heißt auch Abgeben von Verantwortung auf der einen Seite und deren Übernahme auf der anderen. Es kommt hier durchaus auf einen Versuch an, für die Führungskräfte wie das Team.

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Autor/in

Elisabeth Scharfenberg
www.elisabeth-scharfenberg.eu
Elisabeth Scharfenberg
Pflegepolitikerin und MdB
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Hier bloggt Elisabeth Scharfenberg.

Elisabeth Scharfenberg ist Pflegepolitikerin und Mitglied des Deutschen Bundestags.

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