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Verfasst von: Elisabeth Scharfenberg, www.elisabeth-scharfenberg.eu

Alle Räder stehen still...

13.07.2017

"Ihr seid so viele", habe ich kürzlich im Gespräch mit Pflegeaktivisten gesagt. "Warum werdet ihr nicht lauter?" Seitdem ging mir der Satz nicht mehr aus dem Sinn: »Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will«

In einem Lied, das Georg Herwegh 1863 für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein als Bundeslied geschrieben hat, heißt es in der zehnten  Strophe: »Mann der Arbeit, aufgewacht!/Und erkenne deine Macht!/Alle Räder stehen still /Wenn dein starker Arm es will.«

1863 – einhundert Jahre vor meiner Geburt – waren die Folgen der Industrialisierung in aller Härte zu spüren. Es war die Zeit, in der jede Menge Unmut aufkam bei den Arbeitern, die sich tagein, tagaus verausgabten in Fabriken oder im Bergbau. Und dafür mit niedrigen Löhnen und oft desolaten Arbeitsbedingungen "belohnt" wurden und nicht selten mit ihrer Gesundheit bezahlten. Es war auch die Zeit, als sich die Arbeiter ihrer kollektiven Macht bewusst wurden und sich zusammenschlossen – kurz, die Geburtsstunde der Gewerkschaften.

Kann die Pflege mit einer Stimme sprechen?

Seitdem sind 154 Jahre ins Land gegangen. Gewerkschaften sind etwas ganz Normales geworden und viele Menschen in unserem Land sind ganz selbstverständlich in ihnen organisiert. Von den Lehrern bis zu den Lokführern oder Piloten, in Bergbau und Chemie, von der Metallbranche bis zu den Ärzten – alle haben sie ihre Gewerkschaft. Jetzt werden Rufe laut nach einer Pflegegewerkschaft. Die Rufenden wollen nicht mehr eine Untergruppierung von ver.di sein, sondern eigenständig. Sie wollen die Kräfte bündeln. Gar nicht so einfach in der vielschichtigen Pflegewelt, in der Berufsverbände, Pflegekammern, Pflegeaktivisten, ambulante oder stationäre Pflege, Privatwirtschaft oder Wohlfahrt nicht unbedingt an einem Strang ziehen. In der "die Pflege" oft unterschiedliche Forderungen aufstellt und vertritt, nicht selten auch gegeneinander.

Dreiklang oder Dissonanz

Im bereits erwähnten Gespräch sagte mir einer der Aktivisten, sie bräuchten den Dreiklang aus Pflegekammern, Berufsverbänden und Gewerkschaft Da ist wirklich etwas dran. Doch Berufsverbände gibt es bereits, ver.di vertritt jetzt schon die Pflegekräfte und Pflegekammern entstehen. Woran liegt es, dass die Pflege sich dennoch oft nicht vertreten fühlt? Dass in der Folge die Politik für Dinge verantwortlich gemacht wird, die eigentlich im Verantwortungsbereich dieser drei Organisationen liegen? Ich denke, weil dieser Dreiklang noch nicht wirklich funktioniert. Weil die Pflege nicht mit einer Stimme spricht.  

Pflegegewerkschaft – eine Chance?

Darum beobachte ich die Forderung nach einer Pflegegewerkschaft mit großem Interesse. Wenn eine solche Gewerkschaft es schafft, aus den einzelnen Tönen einen wohlklingenden Dreiklang zu machen und schließlich zu einem Konzert der Pflege zusammenzuführen, dann wäre das ein echter Gewinn. Wenn wir allerdings am Ende des Tages einfach nur einen weiteren Player in der Pflegeszene haben, dann entsteht kein "starker Arm" für Pflege. Ich bin gespannt auf die Diskussionen um eine Pflegegewerkschaft und ob es in diesem Zug gelingt, die Pflege als Ganzes mitzunehmen.

Und zum Schluss: Die Pflege ist weiblich. Darum erwarte ich selbstverständlich, dass sich genau das in den Führungsebenen dieser möglichen Pflegegewerkschaft widerspiegelt! 

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Autor/in

Elisabeth Scharfenberg
www.elisabeth-scharfenberg.eu
Elisabeth Scharfenberg
Pflegepolitikerin und MdB
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Hier bloggt Elisabeth Scharfenberg.

Elisabeth Scharfenberg ist Pflegepolitikerin und Mitglied des Deutschen Bundestags.

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